Löwe, Ziege oder Teufel?

Aktualisiert: 24. Aug.
Fakten
Stadion | Sportplatz Kissenbrück | ||
Ort | Kissenbück | ||
Kapazität | 1.000 | ||
Datum | 19.08..2026 | ||
Spiel (Tabellenplatz vor Spiel) | SV Kissenbrück (2..) - FC Germania Bleckenstedt 2. (12.) | ||
Ergebnis | 1 : 1 | ||
Zuschauer | 30 | ||
Liga | Nordharzliga | ||
Ebene* | 8 | ||
Liga (vollständig) - Besuchte / Gesamt | 7 / 16 | ||
Ground - alt / Anzahl Besuche | nein | ||
Ground - neu / Anzahl Grounds | ja / 189 | ||
Spiel in 2026 / Gesamt** | 40 / 357 |
*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen
** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt
Vorspiel
Ist der Sommer vorbei? Auf der Hinfahrt von Braunschweig ins beschauliche Kissenbrück, südlich von Wolfenbüttel, schien es leider so. Duster, frisch und 90 % Regenwahrscheinlichkeit ab 20 Uhr (Beginn der zweiten Halbzeit). Und die Kachelmänner hatten leider zu 100 % recht.
Kissenbrück, ein historisches Kleinod mit nur 1.700 Einwohnern. Und das nicht nur, weil mein Kumpel, Matze, da manche Schlacht erfolgreich geschlagen hat. Selbst Kaiser Otto I. hatte hier viele Jahre lang gelebt. Von seinem Schloss ist aber nix mehr da. Und es gibt hier einen Park am Rittergut, der angeblich der beeindruckendste des gesamten Braunschweiger Landes ist. Von dem ist wenigstens noch etwas zu sehen, auch wenn er im 20. Jahrhundert verkommen gelassen wurde. Die Golfer-Snobs der Region fanden, dass das das richtige Ambiente für ihr neues Domizil sein sollte. Vom Golfplatz Rittergut kann man zum Harz, zum Elm und zur Asse blicken. Hat wohl was. Ach ja, natürlich gibt es auch noch ein im Umkreis sehr geschätztes Restaurant mit dem treffenden Namen "Schöne Aussicht". Aber deshalb war ich ja nicht hier. Ich wollte ihren SV und ihren Ground sehen. Seit gut 100 Jahren wird hier gegen die Pille gedroschen. Selten kam man über die Kreisebene hinaus. Aber vor einem Jahr kam man tatsächlich in die Bezirksliga. Sie erschraken sich hier richtig darüber und ernannten sich zum Abstiegskandidaten Nummer 1. Und den Gesetzen der Self-fulfilling-Prophecy entsprechend stiegen sie natürlich auch sang- und klanglos wieder ab. Und nun haben sie in der Nordharzliga schon wieder die ersten zwei Spiele gewonnen. Nicht, dass sie schon wieder aufsteigen …
Der heutige Gast spielte in der vergangenen Saison noch zwei Klassen darunter. Der FC Germania Bleckenstedt 2. ist nämlich frischgebackener Aufsteiger. Sie haben noch nie in dieser Liga gespielt. Und sie verloren auch gleich das erste Spiel. Klarer kann die Favoritenrolle wohl kaum verteilt sein. Mit dem Gast aus Salzgitter verbindet mich eine kleine Sympathie. Wir stehen lose über Insta im Kontakt und schätzen uns gegenseitig. So dass ich mich umso mehr auf das Spiel und ein Wiedersehen heute freute.
Bleckenstedts Geschichte unterscheidet sich übrigens ein ganz klein wenig von der Kissenbrücks. Denn hier geht es weniger um blaues Blut, Ritter und Golfer, hier wird im Stahlwerk malocht und gegen das Atomendlager "Schacht Konrad" gekämpft.
Ground
Erstmal wollte der Ground mich nicht. Denn das Navi sagte "Ziel erreicht", aber kein Ground weit und breit. Und es waren hier auch keine Menschen auf der Straße um 18:30 Uhr. Harte Nummer, das Kaff. Dann fand ich ihn doch. Der Parkplatz war wie so oft bei diesen Dorfgrounds die Ausfallstraße aus dem Ort. Als Erstes fiel mir eine richtig rustikale Holzbude ins Auge. Davor tranken sich schon die ersten warm. Ein gutes Getränkeangebot, das war ja schon mal was. Nur ein Speiseangebot fand ich nicht. Des Rätsels Lösung gab es eine Bude weiter. Dort musste auf einem DIN-A-4-Zettel eingestanden werden, dass die Wurstbude mangels Personal derzeit geschlossen ist. Man erlebt doch immer wieder Neues, leider auch sowas Unschönes. Ansonsten gibt es neben dem Rasenplatz noch einen kleinen Trainingsplatz, dahinter einige Tennisplätze und die Rückseite einer Sporthalle. Daraus kamen martialische Stöhngeräusche. Ich dachte die ganze Zeit darüber nach, welche Sportart die wohl betreiben. TippeMein Tipp: Gewichtheben. Und ein paar Bänke gabs auch. Wobei die eine oder andere schon hardcore war und eigentlich ins hiesige Heimatkundemuseum gehört. Prunkstück ist eine Tribüne mit 18 rot-weißen Sitzschalen. Das Flutlicht ist der Oberburner. Ich glaube, dass meine Balkonbeleuchtung deutlich heller leuchtet. Nun noch einen Grillmeister finden, dann kann man es hier durchaus aushalten.
Spiel
Der Favorit auf dem Papier war eindeutig, wie sonst selten: der SV Kissenbrück. Das Spiel der ersten Hälfte ging so und war recht ausgeglichen. Germania hatte die besseren Fußballer in seinen Reihen und auch ein paar wenige Chancen. Die Heimelf hatte gar keine Torchance. Aus der Halbzeitpause kam der SV mit Feuer und machte auch gleich das 1:0. In Belgien hätten sie sich darüber sehr gefreut, denn es war nur ein Strohfeuer. Bleckenstedt übernahm sofort nach dem Tor das Spiel und machte ein sage und schreibe 40 Minuten dauerndes Powerplay. So etwas habe ich selten erlebt, wie unerfolgreich, aber auch wie unermüdlich sie eine Angriffswelle nach der anderen nach vorne trugen. Teilweise standen 20 Leute in und um den gegnerischen Strafraum. Und dann kam sie doch, die Erlösung. Ausgleich durch Handelfmeter in der 90. Minute. Ein Glück! Wenigstens ein kleiner Trost für den verschenkten ersten Sieg in der Nordharzliga. Aber so wird es nichts mit dem sofortigen Wiederaufstieg für den SVK.
Stimmung
30 Unentwegte fanden sich heute hier ein. Gästefans konnte ich nur einen ausmachen: Cookie! Zumindest ich beklatschte die guten blau-gelben Aktionen. Die anderen 29 hatten nur das Tor zu feiern. Das tat dann genau einer mit einem kräftigen und ausgiebigen "Schalalalalala Kissenbrück". Lauter und emotionaler ging es auf dem Spielfeld zu. Für meine Verhältnisse wurde hier viel zu viel über den guten Schiri geschimpft und lamentiert. Hiermit meine ich in erster Linie euch, liebe Germanen. Selbst zur Trainerbank mußte der Schiri hin und nochmal auf sie einwirken. In der Halbzeit sprach ich mit ihm und lobte ihn. Er nahm alles gelassen hin und sagte: „Solange es nicht beleidigend wird, ist es ok so". Und siehe da, in der zweiten Halbzeit war alles gemäßigter. Respekt, Herr Drine!
Fazit
Etwas ganz, ganz Außergewöhnliches gibt es hier noch beim SV Kissenbrück. Und zwar ihr Vereinslogo. Das hängt hier an mehreren Stellen und gibt mir ein großes Rätsel auf. Erst dachte ich, dass es der übliche "Rote Löwe" sei, wie im Braunschweiger Stadtwappen oder bei Eintracht. Dann entdeckte ich aber eine Ziegenhufe. Und die Zunge hat was von einem Teufel. Und was ist es nun? Wenn mir jemand die Lösung schreibt, zum Beispiel über den Chat hier, werde ich die Antwort im Artikel nachtragen. Ich bin gespannt!
Nachtrag
Es bleibt etwas mysteriös. Vom SV Kissenbrück kam die Antwort "Teufel". Vom Kumpel Matze "Rote Husaren". Von einem anderen Leser "Heraldischer Löwe". Einst ist aber sicher: Das Vereinslogo ist außergewöhnlich! Und "Ziege" scheint es nicht zu sein!
Fotos













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