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Rothemühle bald nur noch zweite Geige

  • Autorenbild: Cookie
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  • 19. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 27. Juli


Fakten

Stadion

Sportanlage Suhkamp B-Platz

Ort

Schwülper

Kapazität

1.000

Datum

19.07..2026

Spiel (Platzierungen)

Germania Wolfenbüttel (14.) - VfB Fallersleben (9.)

Ergebnis

2 : 1

Zuschauer

80

Wettbewerb

Vorbereitungsturnier

Ebene*

7. (Bezirksliga Braunschweig 3) : 6. (Landesliga Braunschweig)

Liga (vollständig)

5 von 16

Ground alt / Anzahl Besuche

ja / 2

Ground neu / Anzahl Grounds

nein / 182

Spiel in 2026 / Gesamt**

32 / 349

*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen

** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt


Vorspiel

36 Tag hopperfreie Zeit sind heute für mich vorbei! Ich habe mir extra eine lange Auszeit gegönnt, damit die Vorfreude wieder richtig ansteigt. Und ehrlich gesagt, die Testspiele interessieren mich auch nur so mittelmäßig. Aber eines wollte ich mir dann doch gönnen, bevor es wieder richtig um was geht. Und meine Wahl fiel auf das Finale des Prosatech-Cups in Rothemühle/OT von Schwülper. Der Ground liegt nördlich von Braunschweig an der A2. Es ist ein absolutes Traditionsturnier. Es findet nun schon zum 36. Mal statt. Und ich bin ein richtiger Fan dessen geworden. Denn das Who-is-Who der besten Amateurvereine von Braunschweig, Gifhorn, Wolfsburg, Wolfenbüttel und Salzgitter zieht immer viele Fans an und bietet rassige Spiele und erste Erkenntnisse über die Neuzugänge etc. Den Rahmen gestaltet der Gastgeber, FC Schwülper Jahr für Jahr liebevoll und zum Wohlfühlen. Erster Sieger war 1988 der BSV 22 Braunschweig. Rekordsieger ist mit 11 Triumphen Eintracht Braunschweig U23. Und Titelverteidiger ist Freie Turner Braunschweig.

Der diesjährige Favorit war eindeutig der SSV Vorsfelde, der gerade in die Oberliga Niedersachsen aufgestiegen ist. Aber nix wars mit ihnen. Stattdessen duellierten sich Germania Wolfenbüttel und VfB Fallersleben.

Die Wolfenbütteler mussten gerade eine bittere Pille schlucken und stiegen nach ihrem Aufstieg sofort wieder ab in die Bezirksliga. Mal gucken, ob sie das gut verarbeitet haben. Im Verein dreht sich so gut wie alles um den Fußball.

Der Endspielgegner, der Wolfsburger Stadtteilverein VfB Fallersleben, ist das totale Kontrastprogramm. Es ist ein sehr außergewöhnlicher Club mit 6.000 Mitgliedern, die sich auf 35(!) Abteilungen verteilen. Von vielen der Sportarten habe ich sehr wenig oder noch nie etwas gehört. Exemplarisch hierfür seien Tamburello, Cricket, Inline-Skatehockey oder Cyr Wheel genannt. Echt der Hammer, oder? Aber endlich mausern sie sich auch im Fußball. Vor 10 Jahren spielten sie noch in der Kreisliga und nun gehen sie in ihre dritte Landesligasaison. Und das dritte Mal heißt ihr Ziel: Klassenerhalt! Und in das heutige Finale gehen sie natürlich als klarer Favorit!


Ground

Die Sportanlage in Rothemühle ist Heimstätte des Bezirksligisten FC Schwülper. Sie hat zwei gepflegte Rasenplätze. Eine Gaststätte fehlt leider. Aber natürlich gibt es trotzdem Speis und Trank. Heute durchaus etwas mehr über Bratwurst und Pommes hinaus. Nämlich Spanferkelbrötchen und Pilzpfanne, sodass auch die Veggies wie wir nicht zu kurz kommen. Begrüßt wurden wir mit Wind und Regen, sodass wir erstmal unters Dach der Pilsbude flüchteten. War aber nicht lange so doof und wir nahmen auf einer der Bänke zwischen den Plätzen Platz. Etwas überrascht waren wir darüber, dass das Finale nur auf dem B-Platz stattfand. Natürlich war der Sponsor Prosatech omnipräsent. Er stellte sogar ein Glücksrad mit mehreren Betreuern zur Verfügung. Aber ich glaube, da ist niemand hingegangen. Eigentlich war eine Hüpfburg angekündigt. Aber weder die noch die Kinder dafür waren dann da.


Spiel

Natürlich drückten Uschi und ich dem Underdog Germania Wolfenbüttel die Daumen. Obwohl der Favorit uns auch gut gefällt. Und das Spiel hatte, wie es sich für ein Finale gehört, auch ein ordentliches Niveau. Wobei ich am Abend natürlich krass Lügen gestraft wurde vom Niveau des WM-Finales. Aber reden wir nicht weiter über diesen Horror-Kick. Überraschenderweise war Germania von Beginn an die bessere Mannschaft. Und wie so oft markiert die schlechtere Mannschaft den Führungstreffer. Nach der Halbzeit trugen wir noch unsere Pommes-Schranke zum Spielfeldrand, da machte Germania schon den Ausgleich durch einen Fernschuss an den Innenpfosten. Und nicht nur das, sie machten weiter Druck und hatten Pech mit einem Lattenknaller. Doch eine Minute später wurden sie belohnt. Der Stadionsprecher nannte den Volleyschuss zu Recht begeistert Traumtor. Davon hätten sich Spanien und Argentinien mal eine Scheibe von abschneiden sollen!

Somit holte Germania Wolfenbüttel seinen zweiten Cup-Gewinn nach 1991. Ich kann mir nach dem heutigen Auftritt vorstellen, dass sie gleich wieder um den Aufstieg in die Landesliga mitspielen.


Stimmung

Die Stimmung wurde durch einen Rettungswageneinsatz in der ersten Halbzeit getrübt. Ein Germane knickte mit dem Knie weg und lahmte. Als es nicht besser wurde, kamen sicherheitshalber die Sanitäter. Sie bügelten über das Spielfeld, um direkt zum Verletzten zu kommen.

Ansonsten war tote Hose, wie ich es noch nie in Rothemühle erlebt habe. Der Redakteur der Braunschweiger Zeitung hatte wohl schon etwas für das WM-Finale vorgeglüht als er 150 Zuschauern erkannt haben wollte. Er hat wohl schon geahnt, was abends auf ihn zukommt und seinen Alkoholkonsum vorsorglich hochgeschraubt. Es waren tatsächlich nur handgezählte 80. Und das, wo vor wenigen Tagen noch so viele, nämlich 1.500, zum Testspiel von Eintracht Braunschweig gegen den FC Schülper gekommen waren. Es herrschte heute emotionslose Tristesse auf den Rängen. Selbst der obligatorische Torjubel fiel aus. Einzig nach dem VfB-Tor war ein zartes "Let's go Fallersleben, let's go" zu vernehmen.

Das hatten wir uns zum Wiedereinstieg anders vorgestellt!


Fazit

Quo Vadis, Rothemühle? Wenn ich mir die Teilnehmerentwicklung anschaue, dann habe ich große Bedenken, dass das Turnier seinen Status als Top-Turnier aufrechterhalten kann. Es fehlen die Zugpferde der Vergangenheit. Besonders Eintracht Braunschweigs U23 war jahrelang der Zuschauermagnet Nummer 1. Aber auch Teams wie der MTV Gifhorn, der MTV Wolfenbüttel oder der FSV Schöningen lockten viele Fans nach Schwülper. 2026 alles Fehlanzeige. Und waren 2025 noch 7 Landesligisten an Bord, war es dieses Jahr nur noch zwei, allerdings dazu immerhin ein Oberligaaufsteiger.

Und gleichzeitig mausert sich in Braunschweig ein Konkurrenzturnier in Veltenhof, der Görge-Sommercup. Das Turnier gibt es zwar schon seit 2012, aber es wird immer attraktiver. Die Braunschweiger Schiri-Vereinigung richtet das Turnier aus. Und sie haben schon mal avisiert, dass sie die nächsten Jahre noch einiges vorhaben. Schon dieses Jahr sind mit den Braunschweiger Zugpferden, wie dem TSV Lehndorf und Rot-Weiß Volkmarode, Hochkaräter dabei, die auch eine gute Fan-Base haben. Spielt das Rothemühle-Turnier bald nur noch die zweite Geige in Braunschweig? Die fehlende Zuschauerresonanz sollte ihnen ein Warnzeichen sein.

Wie sagt man so schön: Konkurrenz belebt das Geschäft. Ich bin jedenfalls schon gespannt auf 2027. Und ich werde erstmalig den Veltenhöfern einen Besuch abstatten.



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