Bubble-Football? In Fallersleben!

Fakten
Stadion | Sportzentrum Windmühlenberg C-Platz | ||
Ort | Fallersleben | ||
Kapazität | 1.500 | ||
Datum | 16.10.2026 | ||
Spiel (Tabellenplatz vor Spiel) | VfB Fallersleben (14.) - Lehndorfer TSV (13.) | ||
Ergebnis | 2 : 0 | ||
Zuschauer | 140 | ||
Liga | Landesliga Braunschweig | ||
Ebene* | 6 | ||
Liga (vollständig) - Besuchte / Gesamt | 7 / 16 | ||
Ground - alt / Anzahl Besuche | nein | ||
Ground - neu / Anzahl Grounds | ja / 199 | ||
Spiel in 2026 / Gesamt** | 52 / 369 |
*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen
** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt
Vorspiel
Aktuell laufen gerade die Party-Days bei Kochs: Die Tochter aus Los Angeles ist zu Besuch. Und außerdem ist irgendwie gerade jeden Tag wer anders zu Besuch in der Wolfenbütteler Straße. Herrlich! Von daher konnte ich nur einen Hopper einbauen, der es aber in sich haben sollte. Abstiegskampf pur in der Landesliga Braunschweig. Zwei Teams, die derzeit unter dem Strich stehen, duellieren sich am Freitagabend.
Im schönen Wolfsburger Stadtteil Fallersleben spielte der bereits 1861 gegründete heimische VfB ums Überleben. Eigentlich hat sich dieser Verein ja dem Breitensport und am liebsten exotischen Randsportarten verschrieben. Kennt ihr zum Beispiel Bubble-Football? Da packen Menschen ihren Kopf mit Oberkörper in eine große Plastikblase und spielen Fußball damit. Gern gesehen wird dabei, dass sich die Spieler umrammeln und dann wie die Maikäfer auf der Erde krabbeln. Dem teilweise durchaus etwas beknackten Erfindungsgeist sind eben keine Grenzen gesetzt und der VfB ist bei so etwas immer gerne in vorderster Front dabei. Und der Wille, solche Dinge immer anzubieten, lockt die Wolfsburger eben auch hinterm Ofen vor. Das zeigt beeindruckend ihre Mitgliederentwicklung: März 2018: 4.000 – Januar 2019: 5.000 – Dezember 2022: 6.000 – aktuell: 7.403 Mitgliedern. Und damit der achtgrößte Sportverein Niedersachsens! Aber bei aller Exotik soll auch auf jeden Fall der vor zwei Jahren erkämpfte Landesligaplatz erhalten bleiben. Leider sieht es gerade nicht danach aus.
Tja, und über einen meiner absoluten Lieblingsvereine, den Lehndorfer TSV, habe ich schon sehr häufig berichtet. Auch er steht am Abgrund. Es droht, der gerade erkämpfte Landesligaplatz wieder verspielt zu werden. Da bietet der Besuch von tollen Gästen aus Südafrika eine sehr willkommene Abwechslung. Der Lehndorfer Turn- und Sportverein und die Stadt Braunschweig führen einen sportlich-sozialen Jugendaustausch mit der südafrikanischen Partnerstadt Nelson Mandela Bay Municipality durch. Die Lehndorfer Frauen waren dieses Jahr auch schon im Süden Afrikas und schwärmten über eine Zeit, die sie nie vergessen werden. Unter anderem standen beim Gegenbesuch bereits Besuche von Eintracht Braunschweig und dem VfL Wolfsburg an.
Ground
Die 68er-Generation: Kommunen, Flower-Power, Vietnamkrieg, Rudi Dutschke und natürlich treibt es jeder mit jedem. Nun möchte ich euren Horizont über diese Zeit etwas erweitern. 1968 fand nämlich ein besonderes Highlight statt: Alle Schulen und Vereine aus Fallersleben fanden sich zum Mega-Event, der Eröffnung der neuen Sportanlage am Windmühlenberg, ein. Bis heute und mehr denn je ist es die Sportstätte in Wolfsburg. Alles ist hier seit 58 Jahren im Fluss. Der Komplex hier wird laufend renoviert, modernisiert, umgewandelt und erweitert. Es gibt unter anderem 2 städtische Dreifeld-Sporthallen, 2 Sporthallen der Realschule, die Karl-Wilhelm-Halle des VfB, das Bewegungszentrum des VfB Fit, die Schießsportanlage, die Tennisplätze, das Freibad und nicht zuletzt 2 Fußballplätze. Der dritte Platz wurde zum Baseballfeld umgewandelt.
Nun fand das Spiel heute leider nicht im Stadion statt, sondern auf dem Kunstrasen-C-Platz. Der ist nun gerade nicht der Bringer. Du lässt den herrlichen Rasenplatz rechts liegen und triffst auf drei Tische: den Kassierertisch, den Senf- und Saucentisch neben dem Gasgrill und etwas weiter hinten den Reportertisch für die Live-Übertragung der Braunschweiger Zeitung. Dazwischen ist ein schrappeliger Container, der als Kiosk dient. An selbigem hängt ein Zettel mit dem dürftigen Angebot an Speisen (Würste) und Getränken. Immerhin gibt es Bunte Tüten. Der Speiseplan-Lappen ist mit braunem Klebeband lustlos an den Container geklebt. Das Ganze ist der Landesliga ziemlich unwürdig. Immerhin gibt es hier zwei Steinstufenreihen zum Sitzen. Das war's dann aber auch. Klare Empfehlung: Nur hin, wenn auf dem A-Platz gekickt wird, sonst lieber Live-Stream der BZ.
Spiel
Alles wie es zu erwarten war. Es entwickelte sich ein absolutes Abstiegskampfspiel. Natürlich mit bissigen Zweikämpfen und etlichen kleinen Fouls, die aber alle im fairen Rahmen blieben. Dann Freistoß für den VfB und der segelte ins Torwarteck. Kein Torwartfehler, aber Olli Kahn hätte ihn gehabt. Und der zweite gefährliche Angriff hatte Symbolkraft. Die schläfrigen LTSV-Verteidiger bekommen die Pille einfach nicht aus dem Strafraum und schon heißt es 2:0. Lehndorf war schockiert und vollkommen neben sich. Dann fingen sie sich und es ging hin und her. Es entwickelte sich ein recht munteres Spiel, nicht schön, aber spannend. In der zweiten Hälfte ging es gleich verrückt los. Ein Fallersleber steht vollkommen blank vor dem Tor, hat alle Zeit der Welt und bringt den Ball nicht rein. Permanenter, kollektiver Tiefschlaf der Gästeabwehr ermöglichte den Wolfsburgern eine 100%ige nach der anderen. Es gelang ihnen aber nur noch ein Abseitstreffer. Unglaublich, wie die Heimelf die Gastgeschenke verweigerte. Selten habe ich solch eine desolate Abwehrreihe gesehen wie die Lehndorfer heute. Und ich muss es leider so sagen: Der Käptn und Innenverteidiger Nünemann war vollkommen überfordert und Garant für etliche Torchancen der Fallersleber. Das Beste aus Lehndorfer Sicht war das Ergebnis. Ein 5:0 hätte das Spiel richtig abgebildet. Hoffentlich war das der berühmte Schuss vor den Bug, den die Braunschweiger gebraucht haben, um den Turnaround endlich zu schaffen.
Stimmung
140 Zuschauer sind ok für das Spiel, aber nicht so toll bei der Brisanz. Etliche Lehndorfer Schals waren zu sehen. Mein Tipp: 30 Gästefans. Die Heimfans konnten insbesondere durch ihren Bierkonsum gefallen. Das Zeug wurde kistenweise aus dem Schrappel-Container gezogen. Da die WCs weit entfernt waren, raschelte und strullte es somit laufend in der Hecke. Stimmungstechnisch hatte der VfB etwas Besonderes zu bieten. Eine Nachwuchs-Combo aus ca. zehn 10-14-jährigen machte fast 90 Minuten lang ordentlich Rabatz. Sie sangen enthusiastisch die üblichen Songs und wurden sogar von einem Trommler begleitet. Das hat mir gut gefallen. Hoffentlich bekommen sie mal ein paar Freigetränke vom Verein.
Noch was
Seit jeher bin ich bekennender Freund der Zahlen, Daten und der Statistik. Und so fielen mir vor dem Spiel zwei Dinge auf:
Lehndorfer TSV: 9 Spiele – 36 Gegentreffer – 4,0/Spiel
VfB Fallersleben: 9 Spiele – 6 Treffer – 0,6 Periode/Spiel
Ich stelle mir die Frage, wie viele Dinger machte der so flaue Sturm gegen die so löchrige Abwehr in diesem Aufeinandertreffen. Die Statistik sagt: 1,7 Treffer für Fallersleben. Gerundet 2 Treffer. Ist: 2 Treffer.
Es lebe die Statistik!
Fotos












Kommentare