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„Scheiß Rammelsberg"

Autorenbild: Cookie
Cookie
vor 2 Tagen
4 Min. Lesezeit

Fakten

Stadion

Sportanlage Trebnitzer



Ort

Goslar



Kapazität

1.000



Datum

21.10.2026



Spiel (Tabellenplatz vor Spiel)

SV Glückauf Rammelsberg (2.) - SC 18 Harlingerode (5.)



Ergebnis

8 : 1



Zuschauer

75



Liga

Nordharzliga



Ebene*

8



Liga (vollständig) - Besuchte / Gesamt

8 / 16



Ground - alt / Anzahl Besuche

nein



Ground - neu / Anzahl Grounds

ja / 200



Spiel in 2026 / Gesamt**

53 / 370



*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen

** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt


Vorspiel 

100% Regenwahrscheinlichkeit. Da kann es für den Mittwochabend nur eines geben: Raus in die Kälte, rein in den Regen. Und dann gleich richtig hoch ins Regal gegriffen zu einem Spiel der Nordharzliga (Kreisliga). In Rammelsberg gab es nämlich ein Nachbarschafts-(Harz)Duell. 

Der Namensgebende Berg hat wohl seinen Namen vom Bärlauch, der früher Ramsen hieß, und den Berg überwucherte. Und vor mehr als 1.000 Jahren fand man unterm Bärlauch dann kostbare Gesteine. Insbesondere Erz aber auch Silber und Gold und vieles mehr. 1.000 Jahre wurde dann hier gebuddelt und das verhalf der Stadt Goslar, dessen Stadtteil Rammelsberg ist, zu großem Reichtum. Das sieht man noch heute am herrlichen Stadtbild dieser Kleinstadt am nördlichen Harzrand. Nicht zu Unrecht wurde das 1988 stillgelegte Bergwerk samt Goslarer Altstadt 1992 zur UNESCU-Weltkulturerbestätte erklärt. 

Der SV Glückauf Rammelsberg lebt diese Tradition weiter. Insbesondere auch durch ihn wurde nach der Bergwerksschließung die Gemeinschaft der Bergarbeiter bewahrt. Der SV ist auch heute noch ein typischer Bergarbeiterverein. Sie spielten lange in der Bezirksliga und da wollen sie auch wieder hin. Und es sieht ja mit Tabellenplatz 2 auch ganz gut dafür aus. 

Der heutige Gast ist der SC 18 Harlingerode. Das ist ebenfalls ein Stadtteil, und zwar der nahegelegenen Nachbarstadt Bad Harzburg. Und auch dieses Örtchen birgt seine Reize. Harlingerode hing viele Jahre sogar am Tropf von Rammelsberg. Im 20. Jahrhundert verschaffte die Zinkherstellung Harlingerode einen gewissen Wohlstand. Und woher bekamen die das dazu notwendige Erz? Logo, aus Rammelsberg. Das Werk wurde somit zeitgleich mit dem in Rammelsberg stillgelegt.

Geschenke wird der SC 18 heute trotzdem nicht verteilen wollen. Denn der 1918 gegründet Traditions-Club will auch wieder zurück in die Bezirksliga. 


Ground

Die Sportanlage Trebnitzer liegt auf einem ehemaligen Fliegerhorst. Dort wurden nah dem Krieg Ostvertriebene angesiedelt und später Hochhäuser gebaut. Diese sind direkt neben dem Ground zu sehen und prägen das Bild. Wie auch noch die Pappeln. Diese werden leider demnächst abgeholzt und durch andere Bäume ersetzt. Aber bedauernswerterweise nicht wieder durch Pappeln. Schade! Die Anlage hat einen Kunstrasen- und einen Rasenplatz. Erstaunlicherweise sogar beide mit Flutlicht. Und trotz des Ekelwetters hat der Schiri den Rasenplatz freigegeben. Ihn säumen netterweise einige Holzbänke, die heute jedoch triefenderweise nicht sitzbar waren. Über den Umkleidekabinen ist hier eine kleine, aber feine Sportgaststätte. Ein paar Nettigkeiten, wie Curry-/Pommes und Co kannst du hier unter vielen Trikots und Wimpeln zum frischgezapften Pils mappeln. Mehr Fußballflair geht nicht. Und mehr Bergbau auch nicht. So steht zum Beispiel beim Eingang eine mit Steinen beladenen Grubenlore. 


Spiel

Zweiter gegen Fünften. Das versprach anders zu werden, als es kam. Von Beginn an spielte nur ein Team, und zwar die Blau-Gelben aus Rammelsberg. Überraschend war, dass es zur Pause nur 0:2 steht. Und ich war noch auf dem Weg von der kuscheligen Gaststätte zum kalten Nass, da wurde vor mir ungläubig geflucht: 2:1. Aber es wurde nichts mit einer Wende. Denn nun zeigte Glückauf sich von seiner besten Seite. 40 Minuten lang ließen sie nicht locker und zeigten eine beeindruckende Spielfreude und Effizienz. Schön verteilt machten sie noch 6 Dinger bis der Gast beim Stand von 8:1 erlöst wurde. Ich bin gespannt, ob wir das Team bald eine Klasse höher wiedersehen werden. 


Stimmung

72 der 75 Zuschauer waren still. Leichtes Applaudieren bei den Toren und das war es. Wenige Ausnahmen gab es. Das waren drei 8-10-jährige Fans aus Harlingerode. Ich traf die Bengels schon frühzeitig vor dem Eingang schlotternd im strömenden Regen stehend. Sie waren schwerbepackt und hatten reichlich Fanutensilien dabei: Ein großes Zaunbanner, Fahnen, ein in Plastik eingepacktes Ultra-Logo und eine große Trommel. Und ein paar Bengalos. Und ein obereifriger Ordner bekam das mit den Bengalos spitz und lief vollkommen aufgeregt, schimpfend in der Gegend herum. Zum Spielbeginn schmetterten die SC-Ultras erstmal "Kling Glöckchen, Klingeling". Es ist ja auch bald Weihnachten. Und weiter sangen, trommelten und schwenkten sie zu meiner Freude ihre Fahnen. Dann packten sie plötzlich zusammen. Ich ging hin und fragte, was los ist. Tieftraurig meinten sie, dass sie gehen würden, obwohl erst 15 Minuten rum waren. Warum? Antwort: "Man hat uns alles verboten"! Ich machte wenigstens noch Fotos und versprach, die im Blog zu posten. Ich bin ja auch gegen Pyros, Kaller und so. Aber das hier war für mich eine vollkommen überzogene und selbstdarstellende Ordneraktion, denn es bestand nicht im Entferntesten irgendein Gefahrenpotenzial. Zum Dank an die Gastgeber verabschiedeten sich der Fannachwuchs mit mehrfachen herzlichen "Scheiß Rammelsberg"-Rufen! Gute Aktion, Jungs! Und lasst euch nicht entmutigen. Ich hoffe, dass euch euer Verein mal was für euer Engagement spendiert!


Noch was

Jubiläum! Heute fiel mein 200-ste Ground. Und was für einer. Weder Wembley noch Maracana oder Camp Nuo. Nein, es ist die Sportanlage Trebnitzer in Rammelsberg. Wie geil und passend und erst recht bei diesem Wetter und dieser Liga. Genauso, wie es Cookie liebt!


Fotos


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