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Über Hückelhoven zum Tivoli

  • Autorenbild: Cookie
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  • 23. Feb.
  • 5 Min. Lesezeit

Fakten

Stadion

Neuer Tivoli

Ort

Aachen

Kapazität

32.960

Datum

21.02.2026

Spiel

Alemannia Aachen (14.) - SC Verl (2.)

Ergebnis

3 : 1

Zuschauer

19.562

Liga

3.Bundesliga

Ebene*

3

Liga (vollständig) - Besuchte / Gesamt

11 / 20

Ground - alt / Anzahl Besuche

nein

Ground - neu / Anzahl Grounds

ja / 165

Spiel in 2026 / Gesamt**

3 / 319

*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen

** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt


Vorspiel 

Es sollte ein geiles Wochenende werden. Und es wurde ein geiles Wochenende. Der berühmte Aachener Tivoli (der Neue) stand an. Und das war noch nicht des Guten genug. Denn der Besuch des Grounds wurde eingebettet in den Besuch unserer Freude, den Leschis in Hückelhoven. Hückelhoven hört sich irgendwie niedlich an, irgendwie erinnert mich das an Entenhausen. Und wir lernten das Städtchen gut kennen, durch unsere persönliche Fremdenführerin, Sylvia. Sie ließ uns gut an der Bergbaugeschichte des Städtchens teilhaben. Und nach dem Spiel fuhren Leschis noch mit uns zur Schachtanlage "Sophia-Jacoba". Während wir die blutrot angestrahlten Fördertürme bestaunten, erzählte uns Sylvia darüber. Spannend! Aber was heißt eigentlich Städtchen? Mit über 40 Tausend Einwohnern ist Hückelhoven deutlich größer als Verl (26 Tsd. Einwohner). Und zudem sogar fast 'ne Booming Town, denn es werden immer mehr Einwohner hier. Günstige Grundstückspreise und sehr gute Verkehrsanbindungen zu Zentren, wie Aachen, Düssedorf & Co locken viele Menschen an. 

Und nach Aachen ist es nur eine knappe Stunde zu fahren. Dass Aachen eine Reise wert ist, muss ich nicht extra erwähnen. Ich nenne nur die Stichworte Aachener Printen und Aachener Dom. Und ich wollte es kaum glauben, die trinken ihre Printen hier sogar. Und zwar als Printen Likör und der ist richtig, richtig lecker! Naja, und die Aachener Alemannia ist sowieso Kult. Und dass, obwohl sie irgendwie nie richtig in den Quark (bzw. für länger in die Bundesliga) gekommen ist. Britische Kaufleute brachten vor über hundert Jahren zwei Dinge nach Aachen, Fußball- und Reitsport. Und das hat sich ja bekanntlich bis heute gehalten, wobei der Reitsport durch das CHIO noch viel berühmter als der Fußball geworden ist. Riesenfrust gab es 1963, als die Alemannia nicht in die Bundesliga aufgenommen wurde. 5 Westvertreter gab es. Schalke 04, Borussia Dortmund und der 1. FC Köln waren gesetzt. Aachen galt als klarer Favorit vor dem Meidericher SV und Preußen Münster auf einen weiteren Platz. Aber Aachen fiel heraus. Ein kaum nachvollziehbarer Schlüssel ließ sie ganz knapp raus, auf Rang 6 fallen. Da konnte dann auch eine Klage nichts mehr dran ändern. 4 Jahre später gewannen die Schwarz-Gelben in der Aufstiegsrunde das letzte Spiel gegen Göttingen 05 und das „Unrecht“ wurde korrigiert. Im Aufstiegsjahr 1967 konnte sogar der Deutsche Meister, Eintracht Braunschweig mit 2:1 geschlagen werden. Aber lange sollte das Buli-Vergnügen nicht dauern und man kam dann nie wieder hoch. Der Anspruch blieb und bleibt immer noch Bundesliga, doch man graupelte nur noch in der 2. Bundesliga oder tiefer herum. Mehrere Finanzchrashs, Affären, Insolvenzen und Größenwahn beim Stadionbau ließen die Alemannia in der Versenkung verschwinden. Viertklassigkeit war angesagt. Nun endlich ist man wenigstens wieder in der 3. Liga. 

Der Gast, der SC Verl kommt dagegen aus dem Nichts, wie Phönix aus der Asche. Hier dominiert absolute Seriosität und sie stellen so das Gegenstück zur Alemannia dar. Es wird aus wenig viel gemacht und nun stehen sie sogar auf einem Aufstiegsplatz. Funfact übrigens: Verl hat mit die höchste Millionärsdichte Deutschlands. Warum weiß ich aber nicht. Ähnlich wie in Hückelhoven wird hier gewohnt und in Gütersloh, Bielefeld und Paderborn gearbeitet. 


Ground

Alle reden heute noch vom "Alten Tivoli" und kommen ins Schwärmen. Angeblich war er noch beeindruckender als der heute. Der neue heißt auch "Neuer Tivoli". Und zu diesem historischen Ground sollte es, bei totalem Niesel-/Pieselwetter, heute gehen. Eigentlich wollten wir zum Parkhaus am Tivoli aber in Stadionsichtweite gabs einen Parkplatz an der Hauptstraße für ‚nen 10er und der war unser. Der kurze Marsch zum Ground ging an den Stallungen und der riesigen Anlage der Aachener Soers, als der Reitsportanlage, entlang. Spätestens da stand fest, dass wir auch mal zum CHIO wollen. Unsere Freunde können sich also schonmal auf den nächsten Besuch einstellen. Und dann lag auch schon Schwarz und Gelb vor uns. Das Äußere gefiel mir erstmal schon gut. Und ein großes Parkhaus dahinter ist ja durchaus auch wunderbar und recht selten. Und es kann für den Tivoli, die Soers und die Spielbank, die ins Stadion integriert wurde, genutzt werden. Es ist übrigens wohl die Spielbank fürs einfache Volk. Es gibt noch eine für die Hautevolee in der Stadtmitte. Nur davon gehört und leider nicht gesehen haben wir die Stadiongaststätte "Klömpchensklub". Klömpchen heißt wohl Klümpchen. Die Bedeutung scheint vielschichtig, irgendwie liebevoll gemeint aber auch wohl etwas pissig. Wir sind jedenfalls erstmal am falschen Eingang rein und waren auf die Hilfe eines freundlichen Ordners angewiesen, der uns dann durch die Katakomben zu unserem Block führte. Cateringstände waren das übliche. Der Blick ins prachtvolle, gelbe Innenleben des Stadions überzeigte dann sehr. Man sitzt richtig schön dicht am Spielfeldrand. An den Geraden nur 6 Meter und hinter den Toren nur 7,50 Meter entfernt. Näher dran erlaubt die UEFA nicht. Das Stadion hat dadurch etwas englisches Flair. Ach ja, warum eigentlich heißt das Tivoli denn Tivoli? Es gab hier eine Villa mit Park. Und der Park soll angeblich an die Gärten des italienischen Ortes Tivoli erinnern. Ach so, nochmal was zum Namen des Stadions. Es wird auch wegen der immensen Fehlkalkulationen bei der Planung „Millionengrab“ genannt.


Spiel

Das Spiel versprach so einiges. Der Gastgeber will endlich für längere Zeit im Profifußball bleiben. Und eigentlich mal wieder in die Bundesliga. Aber erstmal müssen sie den Klassenerhalt in der 3. Liga schaffen. Derzeit liegen sie 5 Punkte vor dem Abgrund. Und die Verler sind wohl über sich selbst überrascht, dass sie auf einem direkten Aufstiegsplatz vor Kalibern wie MSV Duisburg, 1860 München und Hansa Rostock liegen. 

Aber von Beginn an herrschte hier erstmal nur einer, die Alemannia. Sie brannten ein regelrechtes Feuerwerk ab. Der Gast enttäuschte maßlos. Folgerichtig stand es schnell 2:0. Dann, oh Wunder zwei Ferngranaten der Verler in einer Minute und nur eine Glanzparade und die Latte retteten die Aachener. Aber eine Minute später fiel dann doch der überraschende Anschlusstreffer. Nach dem Wiederanpfiff ging es dann genau andersrum. Der SC zeigte, weshalb sie oben stehen. Druckvolles Powerplay vom Feinsten. Und dann schwappte es richtig schön hin und her. Torchancen hüben wie drüben. Und wir hatten richtig Spaß. In der 65. Minuten machte Aachen den Deckel drauf. Etwas glücklich vielleicht aber doch verdient aufgrund der ersten Halbzeit. Eine rote Karte für Verl machte es den Gästen auch nicht leichter. Übrigens zückte diese Deniz Aytekin, der gewohnt souverän leitete. Es war ein rassiges Klassespiel!


Stimmung

Knappe 20.000 stellten einen würdigen Rahmen für dieses Spiel dar. Die paar Verler, geschätzte 150 Leute, verliefen sich leider auf der großen, gelben Hintertortribüne. Das ist dann immer ein etwas trauriges Bild. Die Stimmung war aber bombastisch. Das lag auch am Wahnsinns-Fight. Englisches Wetter passt da ebenfalls bestens zu. Und natürlich war auch das "You'll Never Walk Alone" vor dem Anpfiff stimmig wie Arsch auf Eimer. Es wurde schön viel gesungen. Eher übliches Stadion-Liedgut. Sehr krass ist die Akustik im Tivoli. Die Lautstärke gleicht dadurch einem Hexenkessel. Das Stadion ist eben auf "eng, steil, laut" ausgelegt. Die steilen Tribünen und das extra für laute Akustik konzipierte Dach reflektieren den Schall hervorragend. Das ist wirklich absolute Spitze! 


Fazit

Ich will es nicht ausschmücken, muss es aber doch kurz erwähnen. Ich hegte immer eine große Zuneigung zu diesem Verein. Das ist inzwischen in eine tiefe Abneigung umgeschlagen. Und zwar, seit ich die Fernsehreportagen Mitte 2024 über die hiesige Fanszene sah. Rechtsextreme Hooligans im Stadionumfeld mit intensiven Beziehungen zum Management des Vereins konnten aufgedeckt werden. Und der Verein bagatellisierte das erst auch noch und stritt die Vorwürfe unglaubwürdig ab. Als das nicht mehr ging, versprachen sie Aufklärung und Besserung. Das ist bitter! Ich habe aber keine Ahnung, ob das immer noch so furchtbar ist. Hoffentlich nicht!


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