VfL Salder e. V. seit 1892 ... vetzt

Fakten
Stadion | Sportanlage Parkstraße B-Platz | ||
Ort | Salzgitter-Salder | ||
Kapazität | 1.000 | ||
Datum | 26.08..2026 | ||
Spiel (Tabellenplatz vor Spiel) | VfL Salder (12.) - BV Germania Wolfenbüttel (13.) | ||
Ergebnis | 2 : 2 | ||
Zuschauer | 97 | ||
Liga | Bezirksliga Braunschweig 3 | ||
Ebene* | 7 | ||
Liga (vollständig) - Besuchte / Gesamt | 10 / 16 | ||
Ground - alt / Anzahl Besuche | nein | ||
Ground - neu / Anzahl Grounds | ja / 190 | ||
Spiel in 2026 / Gesamt** | 42 / 359 |
*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen
** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt
Vorspiel
Viel mehr Bezirksliga geht fast nicht. Und da musste ich dann natürlich auch hin! Es kickte nämlich der VfL Salder gegen den BV Germania Wolfenbüttel. Und Salder spielt gefühlt seit Menschengedenken in dieser Liga. Sie verhalten sich fast immer schön unauffällig im Mittelfeld. Aber was ist nun mit ihnen los? Drehen sie auf einmal frei? Wollen sie etwa in die Landesliga? Sie haben nämlich beeindruckende 11 Neuverpflichtungen vorgenommen. Der bekannteste von ihnen ist Felix Stumpe, der bei Eintracht Braunschweig ausgebildet wurde und beim MTV Wolfenbüttel schon Landesliga-Erfahrung gesammelt hat. Also wirklich Landesliga geplant? 11 Neue. Das sind fast so viele, wie der traditionsreiche VfL Salder seit 1892 jahrelang Mitglieder hatte. Zur Gründung waren es satte 20 und das blieb über viele Jahre so. Stolz verkünden sie heute auf ihrer Homepage: „Vfl Salder e. V. seit 1892 ... vetzt". Humor scheinen sie ja zu haben in Salder. Der Stadtteil im Herzen von Salzgitter wirkt beim Durchfahren etwas verschlafen. Dabei war der Ort im Mittelalter eine große Nummer. Er lag nämlich in einer Furt über die Fuhse. Und das hatte zur Folge, dass einer der bedeutendsten germanischen Handels- und Heerwege, der Rhein-Elbe-Weg, durch Salder ging. Er verlief quer durch die Republik von Duisburg am Rhein nach Magdeburg an der Elbe. Und das hatte zur Folge, dass in Salder sogar ein Mitte des 16. Jahrhunderts bauten sie hier ein schnuckeliges Renaissanceschloss, welches dann viele Jahre Fürsten beherbergte. Ist auch noch in Topzustand und freut sich über euren Besuch. Witzigerweise verläuft die heutige A2 ziemlich parallel zum alten Rhein-Elbe-Weg von Oberhausen über Magdeburg nach Berlin. Nur nicht ganz so romantisch. Habe schonmal darüber berichtet. (hier der Link dazu: https://www.cookiehoppt.com/post/auf-der-todespiste-zum-ground).
Auch die Germanen aus Wolfenbüttel sind Stammgast der Bezirksliga. Zweimal stiegen sie schon auf. Aber das war wohl nicht ihre Welt und so zog es sie gleich wieder in ihre geliebte Bezirksliga zurück. Sie ziehen mich wohl magnetisch oder gar magisch an, denn ich habe sie mir dieses Jahr schon viermal angeschaut. Nur auf ihrem A-Platz war ich leider noch nicht, da laufend irgendein fieser Pilz sein Unwesen dort treibt.
Ground
Es ist wie immer spannend, einen neuen Ground zu erleben. Die Sportanlage Parkstraße hat keinen Parkplatz, was ja nicht so selten in diesen Ligen ist. Dafür liegt neben dem Eingang gleich das Sportheim. Ich spüre den Stolz der Leute, da von Beginn an Logos, Schriftzüge und Sprüche zu sehen sind. Am Hauptgebäude prangt recht neu wirkend der Schriftzug "Walter-Bosse-Halle". Dahinter steckt eine sehr traurige Geschichte. Walter Bosse war Trainer des VfL Salder. Er half tatkräftig beim Bau der Halle in den 70ern. Und dabei verunglückte er tödlich. Die vergitterten Fenster wirken nicht sehr vertrauenserweckend. Ich ging erstmal ins Vereinsheim. Am Weg in den Gastraum kam ich an einem klapprigen, vollgehängten Wäscheständer vorbei, naja. Hinterm Gastraum wurde kräftig die neue Modesportart Dart gespielt. Leider musste ich dann auf Toilette. Es müffelte hier leider so, wie es aussah. Meine Empfehlung: häufiger den Putzlappen in die Hand nehmen. Dann ging es mit schöneren Dingen weiter. Erstmal zur allerdings heute geschlossenen "Bernie's Grillhütte". Daneben war eine witzige Torwand mit "Game Day" an der anderem bemalt. Und wahrscheinlich ahnt ihr es schon, was jetzt kommt: das Kassenhäuschen. Normal kann ja jeder, sagen sie sich hier und verzieren ihre blau-weiße Zahlstelle mit "Eddie's Kassenhaus". Das hat alles schon was. Leider musste ich den Rasenplatz links liegen lassen, um zum Kunstrasenplatz zu kommen. Ich hatte gar nicht dran gedacht, dass wochentags schon wieder unter Flutlicht (heute ab der zweiten Halbzeit) gespielt wird. Das Flutlicht ist übrigens richtig fein: Auf, wie sollte es anders sein, blau-weißen Masten erstrahlen helle LED-Leuchten! Und hinter der Imbissbude (Standard hier: Bratwürste und Krakauer) gibt es tatsächlich eine zwar in die Jahre gekommene, aber sogar überdachte Tribüne. Fast überflüssig jetzt noch zu erwähnen, dass die Rückwand mit ihrwem Logo dekoriert ist.
Es ist hier "Nicht alles Gold, was glänzt". Aber irgendwie doch schon einen Besuch wert, der Ground an der Parkstraße.
Spiel
Es war wohl damit zu rechnen. Das Spiel war blankes Mittelmaß. Aber das ist ja besser als beschissen! So richtig war weder zu erkennen, dass der VfL aufgerüstet hat, noch dass Germania gerade aus der Landesliga kam. Aber es war insoweit besonders, dass meistens die gerade Unterlegenen die Tore machten. In Hälfte 1 dominierte die Heimelf und kurz vor der Pause schoss Germania die Führung per Foulelfmeter. Nach der Pause legten sie dann richtig los und bauten die Führung aus. Und das durch ein herrliches Weitschusstor in den Knick. Und weiter ging es mit angriffsfreudigen Wolfenbüttelern. Bis aus dem Nichts ein schönes Kopfballtor zum 1:2 fiel und dann ebenso überraschend sogar der Ausgleich. Schöne, verrückte Fußballwelt! Letztlich aber dann doch verdient und beide Teams bleiben Mittelmaß und im Mittelfeld. Und so wird es wohl auch wieder bleiben bis zum Schluss.
Stimmung
Es gab 97 Zuschauer. Ich schätze, dass ich mich um einen verzählt habe. Das ist ganz ordentlich. Gästefans sah ich keine. Immerhin waren ein paar wenige auch in Blau und Weiß angetreten. Und zwei Fahnen gab's ebenfalls. Es blieb eher ruhig und ohne Anfeuerungen. Dann kamen die letzten 5–10 Minuten und auf einmal wurde der Dorfmob munter. Fast jede Szene wurde lauthals bejubelt oder verflucht. Der Schiri wurde beschimpft. Komisch irgendwie nach 80 Minuten Ruhe. Aber nett. Gleich noch was zum Schiri: Lasse Harder, übrigens Kapitän vom RSV Braunschweig, pfiff wie immer mit Leichtigkeit und Souveränität. Sollte mich sehr wundern, wenn er nicht nächste Saison in der Landesliga pfeift.
Fazit
Ich schrieb euch ja schon über die beeindruckende Historie des inzwischen beschaulichen 1.400-Seelendorfes Salder. Aber einmal im Jahr tobt hier auch heute noch der Bär. Im Schlosshof findet jährlich der Kultursommer statt. Und im Rahmen dessen gelingt es den Organisatoren regelmäßig, richtige Knaller nach Salder zu locken. So war eine meiner Lieblings-Rockbands aus meiner Jugend vor kurzem hier im Schloss: Jethro Tull. Dieser schräge Vogel, der seine Querflöte zum Vibrieren bringt und zwischendurch richtig vetzig singt. Das Konzert ist leider an mir vorbeigegangen. Aber ich werde zukünftig mal schauen, wen die da noch ranholen.
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