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Auf der Todespiste zum Ground

  • Autorenbild: Cookie
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  • 12. Dez. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Fakten

Stadion

Jahnstadion Oschersleben/Bode

Ort

Oschersleben/Bode

Kapazität

3.000

Datum

11.12.2025

Spiel

Oscherslebener SC 1990 (4.) - FSV Grün-Weiß Ilsenburg (8.)

Ergebnis

2 : 1

Zuschauer

160

Liga

Landesliga Sachsen-Anhalt Nord

Ebene*

7

Liga (vollständig)

1 von 16

Ground - alt / Anzahl Besuche

nein

Ground - neu / Anzahl Grounds

ja / 164

Spiel in 2025 / Gesamt**

72 / 316

*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen

** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt


Vorspiel 

Heute geht es mal wieder ins Nachbarbundesland von Niedersachsen nach Sachsen-Anhalt. Oschersleben ist von Braunschweig ca. eine Stunde entfernt. Bevor ich kurz zum Ort des Geschehens komme, erstmal was Trauriges Vorab. Man fährt eigentlich am besten über die A2. Diese ist jedoch als „Todespiste“ berüchtigt. Sie ist eine der meistbefahrenen Autobahnen Deutschlands. Staus und Unfälle prägen hier das Geschehen. Der Grund dafür ist insbesondere, dass osteuropäische Laster (Polen, Baltikum, früher Weißrussland und Russland) mit übermüdeten Fahrern und Schrottkarren hier lang bügeln. TÜV ist da ein Fremdwort und die Bekloppten halten auch wenig von Sicherheitsabstand und so etwas. Jahresbilanz: Regelmäßig über 1.000 Unfälle jährlich allein im Abschnitt Sachsen-Anhalt, über 100 Schwerverletzte und 15-20 Tote. Bei den vielen Staus kannst du auf die parallel verlaufene B1 ausweichen, die auch durch Oschersleben führt. Dort ist es dann aber immer genauso übel. Ich kann als jahrelanger Pendler zwischen Braunschweig und Magdeburg ein Lied davon singen. Übrigens ging die B1 vor etlichen Jahren sogar mal von Brügge bis Nowgorod. Heute aber "nur" noch in 778 Kilometern quer durch die Republik von Aachen bis Küstrin. In Oschersleben bügeln aber nicht nur Verkehrsrowdys aus dem Osten lang. Es gibt auch Rennfahrer und Rennsportbegeisterte, die jährlich nach Oschersleben zur Motorsport Arena pilgern. 1997 fertiggestellt war es die dritte permanente Rennstrecke Deutschlands nach dem Nürburg- und Hockenheimring. Es scheint sich hier in der Magdeburger Börde offenbar mehr ums Auto als um den Fußball zu drehen. Aber nicht so ganz, denn seit 1910 gibt es die Oscherslebener Fußballfreunde. Danach taufte sich der Verein etliche mal um, zum Beispiel in Teutonia, AGO-Betriebssportgemeinschaft und 1990 in den Oscherslebener Sportclub 1990 e.V. Nun kicken sie munter im mittleren Amateursegment mit. 

Der heutige Gast heißt FSV Grün-Weiß Ilsenburg. Auch die haben namenstechnisch seit 1910 einiges aufzuweisen. Zum Beispiel? VfB 1912, BSG Stahl und nun eben Grün-Weiß. Fairness wurde hier schon immer großgeschrieben, was ein Appell von 1950 vor dem Derby gegen Wernigerode verdeutlicht: "Bewahrt Disziplin, Ruhe und Sachlichkeit, auch wenn auswärtige Störenfriede provozieren wollen!"

Mir ist der Ort im Vorharz schon länger bekannt. Aber nicht durch Autos, sondern durch Speis und Trank. Das rührt von der ehemals edlen Traditionsgaststätte "Zu den Rothen Forellen" her. Die scheinen jedoch ihre besten Zeiten hinter sich gelassen zu haben. Denn außer hohen Preisen haben sie nicht mehr viel zu bieten, was die vielen kritischen Bewertungen nachdrücklich zeigen. 


Ground

Die Fahrt zum Jahnstadion Oschersleben/Bode war abartig wie befürchtet. Einmal wurde ich fast gerammt von einem Ostblockbus, der einen Meter vor mir radikal auf die linke Fahrspur wechselte. Entschädigt wurde ich dann jedoch durch die kurze Fahrt von der A2 nach Oschersleben. Soviel spektakulär weihnachtlich beleuchtete Gebäude habe ich selten gesehen. Das hat meine Fahrt durchs Dunkle gleich viel netter gemacht. Dann war ich im schmucken, erst vor wenigen Jahren kostspielig renovierten Jahnstadion. Wie viele andere Grounds nach dem altehrwürdigen Turnvater Friedrich Ludwig Jahn benannt. Ein etwas zu kleiner Parkplatz war schon 45 Minuten vor Spielbeginn ziemlich voll. Der Eingangsbereich wirkt eher etwas unfreundlich. Aber dahinter erscheint ein gut ausgeleuchteter Kunstrasenplatz mit einer Vereinsgaststätte zur Rechten. Ich wollte rein, um noch im Warmen ein Heißgetränk zu nehmen und danach gewappnet zu sein für die frostigen Temperaturen. Zwei Türsteher wiesen mich aber ab mit den Worten "Hier dürfen nur VIPs und Sponsoren rein". Ich musste mich dann nach links trollen, wo ein Imbisswagen stand. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich sowas schonmal erleben musste. Die Zeiten des Sozialismus sind hier wirklich endgültig vorbei. Das Proletariat muss eben draußen bleiben. Für mich stand nun damit aber fest, zu wem ich halte. Ich holte mir flugs einen Kinderpunsch, der nur leicht wärmer war als die Außentemperatur und schaute mich noch etwas um. Das Markanteste ist eine unüberdachte Tribüne für immerhin rund 200 Leute. Der Kunstrasen ist umrahmt von einer Tartanbahn, die höheren Ansprüchen genügen soll. Und eine Anzeigentafel gabs ebenfalls. Das Umfeld ist unspektakulär. Gute Mucke und ein Stadionsprecher sorgte für Unterhaltung. Und die Kapazität soll immerhin bei 3.000 liegen. 


Spiel

Die ersten 25 Minuten waren ausgeglichen und fade Kost ohne Torchancen. Dann setzte mal ein Oscherslebener zu einem ungefährlichen Fernschuss an. Und? Der Keeper war wohl etwas eingefroren und ließ ihn durch die Hosenträger zum 1:0 rein. Und dann sogar im Gegenzug sofort das 1:1. Das Spiel hat endlich Fahrt aufgenommen. Der Bock hat den Gästekeeper wohl verunsichert oder er kann es nicht besser, denn er unterlief mehreren Flanken und sorgte damit für brenzlige Situationen. In der zweiten Halbzeit machte der OSC richtig Druck und spielte auch einige dicke Chancen heraus. Aber es sollte wohl heute nicht sein, mit einem Vorweihnachtssieg. Dann auch noch ein Platzverweis für die Gäste in der 88. Minute. Und der OSC setzte zur großen Schlussoffensive an. Tief in der Nachspielzeit dann Dramatik pur. Ein Grün-Weißer wehrte den Ball mit der Hand ab. Gelb-Rot und Elfer. Und wegen Meckerns gleich noch der dritte Platzverweis hinterher. Der Elferschütze zeigte Nerven wie Stahlseile und netzte souverän zum Sieg ein. Danach wurde gar nicht mehr angepfiffen. Was für eine geile Schlussphase. Und es war auch en hochverdienter Sieg. Nur die Gäste konnten einem leid tun.


Stimmung

Erstmal war die Stimmung einschläfernd wie das Spiel. Von den immerhin 160 Zuschauern, waren ungefähr 35 Gästefans. Sie standen gegenüber bei der Gästebank und waren gut an ihren grün-weißen Schals zu erkennen. Seitens der Heimfans gabs nichts an Fahnen, Trikots, Gesängen oder so. Fankultur ist hier nicht gegeben. Als erstes Highlight gab es ziemlich entfernt vom Platz eine schöne Sylvester Leuchtrakete zu bewundern. Der Stadionsprecher war aufgeregt und wies auf mögliche Sanktionen hin, was aber in diesem Falle leicht übertrieben war. In der zweiten Halbzeit folgten dann noch ein paar schön anzusehende Raketen. Bis dahin hatte man dem Stadionsprecher aber wohl schon gesagt, dass das nicht so schlimm ist und er blieb stumm. Im Laufe des Spieles wurde kamen dafür die Gästefans gut in Form. Sogar ein paar Gesangseinlagen gaben sie zum Besten. Auch waren sie beim Pöbeln viel lauter als die OSCler. Niedlich fand ich einen Oscherslebener, der richtig böse wurde und laut "Seid ruhig" schrie. Überraschenderweise ohne Erfolg. In der Pause unterhielt ich mich mit einigen Ilsenburgern am Getränkestand. Das waren nette Kerle und ich erfuhr, dass sie zu jedem Auswärtsspiel mit einem Bus und rund 30-40 Leuten anreisen. Das hat mir gefallen und Ilsenburg wurde unverzüglich auf meine Bucketlist gesetzt. 


Fazit

Genug für 2025! Nun ist erstmal für rund 1 1/2 Monate kein Hoppen mehr angesagt. Im Januar besuchen wir unsere Tochter Pauline in Los Angeles und tingeln dann mit ihr durch Kalifornien und Arizona. Und leider haben die Amis dort dann Winterpause. Hoffentlich bekomme ich keinen Entzug.

Ich wünsche allen Lesern frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!

Ende Januar hört ihr wieder von mir. 


Fotos


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