Braunschweigs Pokalschreck

Fakten
Stadion | Bezirkssportanlage Stöckheim B-Platz |
Ort | Braunschweig |
Kapazität | 1.500 |
Datum | 08 .09..2026 |
Spiel (Platzierungen) | SV Stöckheim (5.) - RSV Braunschweig (4.) |
Ergebnis | 0 : 1 |
Zuschauer | 94 |
Wettbewerb | Kreispokal Braunschweig - 3. Runde |
Ebene* | 8. (Kreisliga Braunschweig) : 8. (Kreisliga Braunschweig) |
Liga (vollständig) | 8 von 14 |
Ground alt / Anzahl Besuche | nein |
Ground neu / Anzahl Grounds | ja / 192 |
Spiel in 2026 / Gesamt** | 45 / 362 |
*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen
** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt
Vorspiel
Lauer Spätsommerabend, Flutlicht und der Pokalschreck RSV Braunschweig gastiert beim SV Stöckheim. Da musste Cookie einfach hin.
Der Rasensportverein ist eigentlich traditionell für seine Ruderer bekannt. Aber seit kurzem auch mehr und mehr für seine Fußballer. Die studentisch geprägten Spaßfußballer haben nämlich seit ihrem Pokaltriumph 2025 Blut geleckt. Damals noch in der Kreisklasse zerlegten sie einen Kreisligisten nach dem anderen und wurden als absoluter Underdog Braunschweigs Kreispokalsieger. Und damit ging ihr Traum aber erst richtig los. Sie durften nun sogar im Bezirkspokal antreten. Und da mußten mit Union Salzgitter (Bezirksliga) und dem SV Lengede (Landesliga) die nächsten haushohen Favoriten dran glauben. Und nun sind sie schon wieder in Runde 3. Ob es 2026/27 wieder ein Pokalmärchen im Bürgerpark geben wird?
Der SV Stöckheim aus dem Braunschweiger Süden hat gehörig etwas dagegen. Fußballerisch für mich irgendwie Niemandsland. Weder habe ich damals da selbst schon gespielt, noch irgendwie was von ihnen gelesen oder gehört. Selbst auf ihrer eigenen Seite ist alles ausgesprochen spärlich. Ist es vielleicht das Bielefeld Braunschweigs?
Im Gegensatz dazu hat der Ort/Stadtteil an sich schon so einiges vorzuweisen. Zum Beispiel seit über 30 Jahren die Pizzeria am Markt "Marco Polo". Wenn du richtig Schmacht hast, dann geh' dort hin zum Völlen. Das berühmteste von Stöckheim hängt ebenfalls mit einer Gaststätte zusammen, nämlich dem "Großen Weghaus" aus dem 17. Jahrhundert. Dessen Story ist echt cool. Herzog Rudolf August hatte durch Umorganisationen auf einmal zwei Residenzen, eine in Wolfenbüttel und eine in Braunschweig. Es gab aber nur einen wohl sehr üblen "Handelsweg" dazwischen. Durch Matsch und Dreck zu kutschieren, war aber nix für die Hoheiten. So ließen sie sich parallel dazu einen eigenen standesgemäßen, schön befestigten Weg bauen, den "Herrschaftlichen Weg". Die Bürger waren natürlich am Kotzen, das mit anzusehen. So erstritten sie sich ebenfalls das Recht, den guten Weg nutzen zu dürfen. Das widerum gab's nicht umsonst. Die Adligen ließen sich flugs ein Zoll- und Wegehaus bauen und schröpften die Benutzer ordentlich für die Nutzung ihres Weges. Besonders cool: Der Fürst wollte auf dem Weg von Residenz zu Residenz immer was mampfen. So ließ er im dort auch ein Gasthaus integrieren. Und dass er bei Regen nicht nass wird, hat er eine Durchfahrt mit Halt im Haus für die Kutschen bauen lassen. Ist zwar heute dicht, aber man sieht den Rahmen noch immer. Und witzig ist es auch, dass die heutige Straße einen geschwungenen Bogen ums ehemalige "Drive-in" machen muss. Seit nun schon 300 Jahren lässt sich dort gut schlemmen, seit Kurzem koreanisches Barbecue. Ihr merkt, hier in Stückheim dreht sich einiges ums Essen. Und vielleicht zukünftig auch mal mehr ums Kicken? Zu wünschen wäre es dem SV Stöckheim ja.
Ground
Bevor es zur Bezirkssportanlage Stöckheim ging, legte ich erstmal einen Fotostopp beim "Großen Weghaus" ein. Der Ground wirkt durch eine große Baustelle hinterm Eingang zwischen den beiden Plätzen erstmal wenig einladend. Mein Gang ging links Richtung Kunstrasen B-Platz. Dort wirst du mit Kassentischchen und Gasgrill empfangen. Und dann ein erster Blick auf den Ground. Er liegt etwas tiefergelegt und ist mit erstaunlich vielen Bäumen nett umrahmt. Das Highlight ist eine 6-stufige Stehtribüne, auf der allerdings nur gesessen wird. Sonst ist es eher ein 08/15-Platz, aber ganz ok.
Spiel
Beide Teams kamen gut in die Saison. Und der SV Stöckheim hat sogar schon vor Kurzem im Bürgerpark gewonnen. "Wir haben noch eine Rechnung offen", hieß es deshalb seitens des Pokalschrecks. Aber die Heimelf kam viel besser ins Spiel. Sie strahlten eine unglaubliche Energie aus. Viele ihrer guten Szenen feierten lautstark. Der RSV war beeindruckt. Nach und nach kamen sie aber besser ins Spiel und gestalteten es ausgeglichen. Das 0:0 zur Pause war etwas glücklich für Rasensportler. Erwähnen muss ich eine kleine, aber wirkungsvolle Belehrung des Schiris für seinen "Kollegen" Lasse Harder. Der vergaß wohl vor lauter Adrenalin, dass er heute als Spieler und Kapitän für den Pokalschreck im Einsatz war und nicht als Schiri. Er kommentierte etwas zu oft und lautstark dessen Entscheidungen. Später musste der gute Schiri noch ein weiteres Mal als Pädagoge ran. Nun aber beim RSV-Trainer Zdenko Pavlic, der dann Gelb wegen Herumschreiens bekam.
Die zweite Hälfte ging gut los und zwar mit einem Treffer zum 0:1. Ich plauderte aber nett mit einem Stöckheimer Fotografen und verlaberte so leider das Tor. Im Anschluß an die Führung machten es der Gast richtig gut und spielte weiter forsch nach vorne, anstatt die Führung verwalten zu wollen. Dann hämmerte urplötzlich ein Stöckheimer ein richtiges Pfund aus rund 20 Metern an den Innenpfosten, von wo die Murmel nicht ins Tor sprang. Was für eine feine Schusstechnik der Typ hat! Ab spätestens jetzt brannte die Heimelf eine Schlussoffensive vom Allerfeinsten ab. Es folgte noch ein weiterer Traumschuss aus noch größerer Entfernung, den der Torwart bombastisch entschärfte. Und ganz kurz vor Schluss ging ein Kopfball, von einem völlig freistehenden Stöckheimer nach feiner Flanke nur Zentimeter am Kasten vorbei. Nun waren es die Gäste, die ihre Abwehraktionen abfeierten. Und sie brachten auch mit großem Kampf den Sieg über die Runden.
Was für ein hochklassiger Pokalfight voller Dramatik. Mein Kompliment geht an beide Teams. Es hat richtig Bock gemacht, zuzuschauen. Mein Glückwunsch geht an den Pokalschreck!
Stimmung
Ich finde, dass 94 Zuschauer richtig gut sind. Fast alle kamen aus Stöckheim. Einige tummelten sich um den Grill und die Kaltgetränke. Die meisten aber saßen auf der Steintribüne, die richtig gut voll war. Die Heimszenen wurden gut beklatscht und berufen. Was aber während der Stöckheimer Schlussoffensive abging, war vom Feinsten. Die knapp 100 Fans machten richtig Rabatz. Fans und Spieler schaukelten sich gegenseitig richtig hoch. Der Fotograf schmiss sich bei den vergebenen Großchancen mehrfach entnervt auf die Erde. Nach dem Spiel feierten natürlich nur noch die Gäste vor und nach dem Siegerfoto. Stimmungsmäßig war es wohl mit das Beste, was ich auf Kreisebene je erlebt habe. Hut ab, Stöckheim!
Fazit
Ich kann aber nicht anders. Ich muss über schlimme Geschehnisse aus Stöckheim berichten. Hier gibt es einen kleinen Zoo, der als Privatzoo vom Schuhverkäufer Walter Siebenhaar 1965 gegründet wurde, den Siebenhaar-Zoo (heißt heute anders). Zwei Jahre später sollte Cookies erster Schulausflug dorthin gehen. Ich war 8 Jahre alt und in der zweiten Klasse. Meine Mutter packte mir eine Schnitte Brot und ein Tetrapack Sunkist Orange in den Brotbeutel. Das überwiegend süß schmeckende pyramidenförmige Getränk war damals absoluter Kult. Den Strohalm hast du ohne größere Verbiegungen kaum reinbekommen. Der Hammer war jedoch immer der Knall danach. Denn wenn das Teil leer war, hast du mit voll Karacho draufgetreten und es hat schön geknallt. In einer Plastiktüte bekam ich leider auch trockenes Brot zum Füttern der Ziegen im Streichelgehege mit. Und kaum war ich drin im Gatter, da sprang auch schon ein mächtiger Ziegenbock an Klein-Rainer hoch und entriß mir den Beutel. Dieser Schock sitzt bis heute tief und nie wieder ging ich in so was rein. Und wenn ihr glaubt, dass meine Uschi kein gestörtes Verhältnis zu Ziegen hat, dann täuscht ihr euch gewaltig. Ihr traumatisches Ziegen-Erlebnis geschah auf einer Wanderung im Sardinienurlaub mit ihren Eltern. Dort schleiften ihre Eltern sie durch einen Ziegenstall. Und da war ebenfalls ein großer Ziegenbock drin. Das allerschlimmste für sie war aber der bestialische Gestank im Stall. Meine Frau mampft eigentlich fast alles, nur keinen Ziegenkäse. Schon der Geruch bringt sie zum Würgen.
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