Spektakel in der Todesliga

Fakten
Stadion | Sportanlage Blitzeichenweg | ||
Ort | Braunschweig | ||
Kapazität | 1.000 | ||
Datum | 30.08..2026 | ||
Spiel (Tabellenplatz vor Spiel) | Lehndorfer TSV (14.) - Lupo Martini Wolfsburg (12.) | ||
Ergebnis | 3 : 4 | ||
Zuschauer | 160 | ||
Liga | Landesliga Braunschweig | ||
Ebene* | 6 | ||
Liga (vollständig) - Besuchte / Gesamt | 12 / 16 | ||
Ground - alt / Anzahl Besuche | ja / 9 | ||
Ground - neu / Anzahl Grounds | nein | ||
Spiel in 2026 / Gesamt** | 43 / 360 |
*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen
** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt
Vorspiel
Aktuell laufen die Partywochen bei uns. Dieses Wochenende haben Christiane und Gerald in den Heidberg zum Gartenfest geladen. 90 % Fußballfans, da war das Hauptgesprächsthema klar! Die obligatorische Frage "Wo seid ihr morgen?" konnten wir voller Vorfreude mit "In der Todesliga bei unseren Freunden vom Lehndorfer TSV" beantworten. Der Aufsteiger aus der Bezirksliga Braunschweig, Lehndorfer TSV, empfängt den Absteiger aus der Oberliga Niedersachsen, Lupo Martini Wolfsburg. Aber weshalb Todesliga? Das liegt am Abstiegsmodus. 4 der 16 Teams gehen auf jeden Fall runter. Aber es können auch mehr sein, wie zum Beispiel in der letzten Saison, wo 5 abgestiegen sind, was fast jeder dritte Club ist. Man kann in dieser mörderischen Liga davon ausgehen, dass in der Rückrunde in der halben Liga Abstiegsangst herrscht.
Nach ihrem Aufstieg haben die Lehndorfer ihren Kader ordentlich umgebaut: 5 gingen und 9 kamen. Und auch Hochkaräter dabei. Nämlich alleine 4 Leute vom BSC Acosta Braunschweig. Von dem Verein, der sich desaströs zeigte und freiwillig aus der Landesliga zurückzog, weil er keinen Trainer und keine Spieler fand. Unglaublich! Aber gut für Lehndorf. Maurice Franke hat schon für Eintracht Braunschweig gespielt. Markenzeichen von Franke ist übrigens was ganz Spezielles: Er trägt immer das rechte Hosenbein bis zum Anschlag hochgezogen. Und sein Kumpel, Niklas Neudorf "Der Lange", macht Jahr für Jahr mehr als 10 Buden. Seine 196 cm sind kaum zu bändigen. Das Team hat jedenfalls richtig Bock auf die neue Liga!
Der heutige Gast aus der VW-Stadt ist allerdings nochmal ein anderes Kaliber. Hier zählt nur der Wiederaufstieg. Es ist ein total geiler Club mit extrem spannender Historie. Und zwar ist es der erste italienische Verein Deutschlands. Nach dem Krieg wurden tausende italienische Gastarbeiter im VW-Werk eingestellt. Und dass die fußballverrückten Tifosi einen eigenen Fußballverein gründeten, lag auf der Hand. Zu Ehren ihrer neuen Heimat nannten sie ihn "Italienischer Sportclub Lupo Wolfsburg" (eben nach dem Wolf). Einer reichte ihnen aber nicht. Und so wurde auch noch 8 Jahre später der "Unione Sportivo Martini Wolfsburg" ins Leben gerufen. Die Duelle beider Teams mobilisierten damals die Massen und es ging immer extrem heiß her. Dann bündelten sie die Kräfte und es entstand der heutige Verein "Unione Sportiva Italiana Lup Martini e. V.". Ihr neues Wappen wird vom Wolf und dem Hahn geschmückt. Nicht herausbekommen konnte ich, was es mit dem Hahn und dem Vereinsnamen "Martini" auf sich hat. Wenn jemand das weiß, bitte gerne bei mir per Chat melden. Dann ergänze ich das. Eines ist auf jeden Fall klar: Das Image von Lupo Martini ist auf jeden Fall sympathischer als das des VfL Wolfsburg.
Ground
Den Ground am Blitzeichenweg im Westen Braunschweigs habe ich schon mehrfach beschrieben. Bei Interesse gerne die Suchfunktion hier nutzen. Mich beeindrucken hier jedes mal zwei Dinge: Zum einen die beiden alten Steintröge zum Putzen der Pötten. Und zum zweiten die oberaffengeile Woltersleuchte mit Hinweisschild. Hoffentlich bleiben diese Relikte des Vereines genauso bestehen. Und dieses mal habe ich noch ein weiteres kleines Schmankerl entdeckt. Bei Weg zum Männerklo fiel mein Blick auf ein Bild rechts vom Eingang. Dort hängt der legendären Bud Spencer mit seinem fast philosophischen Zitat "Ohne Heu kann das beste Pferd nicht furzen".
Und die Moderne hält trotzdem hier Einzug. Beim Löhnen unseres Eintritts bekamen wir voller Stolz vom Personal zwei hochwertige Eintrittskarten überreicht. Sie sahen unsere erstaunten Blicke und erklärten uns, dass diese heute erstmalig verteilt werden. Unsere Tickets seien die Nummern 5 und 6. Toll! Da geht es fast unter, dass die Lehndorfer heute auch noch in nigelnagelneuen Trikots aufgelaufen sind. Und dann gab es noch zwei neue Zuschauerbänke eines Sponsoren. Wobei diese so schwabbelten, dass sie bei der Nutzung eher an Wasserbetten erinnerten. So blieb auch niemand lange darauf sitzen. Bei soviel Highlights muß eigentlich der erste Dreier der Saison her.
Spiel
Wie nicht anders zu erwarten war, spielte von Beginn an erstmal nur der favorisierte Gast aus Wolfsburg. Und so fiel auch in der 18. Minute der verdiente Führungstreffer durch einen ihrer besten, Hassan Mustapha. Dann überschlugen sich die Ereignisse. 22. Minute: Rote Karte für Lupos Capitano wegen Notbremse. Somit durften die Braunschweiger fast 70 Minuten in Überzahl spielen. Und in der 30. Minute fiel dann auch der Ausgleich. Das Spiel schien nun zu kippen. Der erste LTSV-Dreier rückte näher. Aber wieder Hassan Mustapha und 1 zu 2 noch vor der Pause. Und weiter geht's. Ole Herzig lässt alle Wölfe stehen und macht mit einem Kunstschuss fast von der Außenlinie noch vor der Pause den nun verdienten Ausgleich. Ich war noch Getränke holen (Zapfen geschah in Slowmotion), da hörte ich zweimal einen Torjubel. erst 3:2 (47. Minute), dann 3:3 (48. Minute). Ich habe etwas gekotzt. Dann machten die Gäste großen Druck. Ihre Unterzahl merkte man nicht. Und in der 76. Minute fiel dann leider auch noch das 3:4. Dem Lupo Martini muß großer Respekt für diese großartige Leistung gezollt werden. Aber auch der Aufsteiger trug seinen Anteil zum "Spektakel in der Todesliga" bei. Klasse!
Ich erwähnte oben ja die beiden Neuzugänge von Acosta. Fazit: Sie sind wohl noch nicht angekommen in Lehndorf. Franke blieb vollkommen blass und fiel nur durch seinen rechten Oberschenkel auf. Der Lange war ein Schatten seiner selbst. Er verlor quasi jeden Zweikampf, fast alle Bälle versprangen ihm. Und er hatte keine einzige Toraktion in 90 Minuten. Uns blieb es ein Rätsel, weshalb die beiden durchspielten. Dagegen war der Irrwisch Herzig überragend, aber das war leider zu wenig.
Stimmung
160 Zuschauer sind ordentlich. Und fürt diese Liga recht außergewöhnlich, dass bestimmt ca. 40 "Italiener" ihre Mannschaft begleiteten. Es war eine richtig geile Stimmung, was natürlich auch dem tollen Fight der Teams zu verdanken war.
Aber ein Fan ragte heraus und wurde fast zum Matchwinner. Wir saßen neben den Eltern von Maurice Franke und wurden gut mit Hintergrundinfos zum Wechsel der Kumpels nach Lehndorf versorgt. Dann kam die ominöse 22. Minute und das Wolsburger Foul. Vater Franke schrie nur "Notbremse. Rote Karte". Der Schiri kam zum Ort des Geschehens direkt vor uns. Vater Franke setzte inzwischen zum dritten mal mit seinem "Notbremse. Rote Karte" an. Er wurde immer lauter und eindringlicher. Eigentlich war das Foul soweit vom Tor entfernt und an der Außenlinie, dass es niemals rotwürdig war. Aber der Schrir war beeindruckt und fragte seinen sehr jungen Assi. Der wußte auch nicht so recht, was er sagen sollte. Und genau da kam ein letztes "Notbremse. Rote Karte". Und? Es gab Rot. Hut ab, Herr Franke. Das war mehr als ihr Junior heute geleistet hat.
Fazit
Ich komme nochmal auf den Vorabend zurück, das Gartenfest. Hier lernte ich Rudi kennen. Ein renomierter, alteingesessener Groundhopper aus Magdeburg. Man kennt ihn dort nur unter "Der Ostfriese". Magdeburgs Nummer 27 erzählte herrliche Geschichten von der WM in Brasilien (alle deutschen Spiele), der Frauen-EM in der Schweiz (alle deutschen Spiele) und anderen Höhepunkten seiner Laufbahn. Aber zwei Ziele stehen noch vor der Vollendung. Erstens: Alle Grounds im Bördeland (es fehlen noch 12). Und noch besser: Alle Grounds in Orten mit Bahnhof an der Regionalbahnstrecke Magdeburg – Braunschweig. Wie geil ist das denn?
Fotos













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