Hochsicherheitsspiel in Wolfenbüttel
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- vor 7 Tagen
- 5 Min. Lesezeit
Fakten
Stadion | Sportpark Meesche B-Platz | ||
Ort | Wolfenbüttel | ||
Kapazität | 1.000 | ||
Datum | 04.03.2026 | ||
Spiel (Tabellenplatz vor Spiel) | MTV Wolfenbüttel (13.) - Atlas Delmenhorst (2.) | ||
Ergebnis | 3 : 3 | ||
Zuschauer | 250 | ||
Liga | Oberliga Niedersachsen | ||
Ebene* | 5 | ||
Liga (vollständig) - Besuchte / Gesamt | 5 / 16 | ||
Ground - alt / Anzahl Besuche | ja / 3 | ||
Ground - neu / Anzahl Grounds | nein | ||
Spiel in 2026 / Gesamt** | 5 / 322 |
*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen
** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt
Vorspiel
Hhm, was ist denn mit mir los? Es ist schon März, aber ich besuche heute erst das fünfte Spiel des Jahres. Cookie, du schwächelst wohl? Und dann noch etwas Monokultultur, da von den fünfen schon drei in Wolfenbüttel stattfanden. Eine schöne Stadt ist es ja und wirklich immer einen Besuch wert. Ich habe von dem Städtchen in den vergangenen Berichten bereits ausgiebig geschwärmt. Wer das nachlesen möchte, einfach "Wolfenbüttel" in die Suchleiste eingeben und schmökern.
Delmenhorst sehe ich erst das zweite Mal und vor Ort war ich noch nie. Das steht aber schon auf der allerdings schon so ellenlangen Bucketlist. Der Ort ist mit 80 Tsd. Einwohnern etwas größer als Wolfenbüttel. Und er hat ebenso wie Wolfenbüttel mit Braunschweig eine geile Stadt (Bremen) ganz in der Nähe. Und nicht nur das. Delmenhorst hatte im vergangenen Jahr die wenigsten Blitzeinschläge der acht kreisfreien Städte Niedersachsen. Hammer, oder?
Und ihr Fußballclub wollte immer schon und will immer noch hoch hinaus. Nachdem der Delmenhorster Fußball bis in die 70er nur vor sich hindümpelte, fusionierten diese 1973 zu Atlas Delmenhorst. Der Baumaschinenhersteller Atlas trat seitdem als Großsponsor auf und wurde zum Dank Namensgeber des neuen Vereins. Der Club hat also nichts mit dem Diercke Weltatlas oder so zu tun. Sie hatten dann auch einige gute Jahre. Aber Atlas zog sich Ende der 90er als Sponsor zurück. Und die allseits bekannte ungesunde Abhängigkeit von einem Großsponsor und dem Rückzug führte dann Jahre später auch zur Insolvenz. Bei der Neugründung 2012 behielten sie aber den liebgewonnenen Namen Atlas, an den sie und das Umfeld sich so gut gewöhnt hatten. Nun wollen sie endlich wieder mit aller Macht in die Regionalliga. Das Umfeld gibt das schon her und der Tabellenplatz 2 erst recht! Es fehlen derzeit nur 4 Punkte auf den 1. FC Germania Egestorf-Langreder. Und ein Sieg heute im Nachholspiel könnten daraus 1 Punkt Abstand machen.
Die stark abstiegsbedrohten Wolfenbütteler werden aber alles daransetzen, nicht gleich wieder zurück in die Landesliga zu müssen.
Ground
Das schöne Meeschestadion habe ich euch schon hinlänglich beschrieben (ihr wisst ja, siehe Suchfunktion...). Etwas schade war, dass die neue Stadiongaststätte, erst zwei Tage nach dem heutigen Spiel eröffnet. Sie wird Athena heißen und die Fußballfans mit mediterraner Kost verwöhnen. Auf jeden Fall ein Grund mal wieder herzukommen. Ihr wisst ja, ich liebe die Monokultur!
Bis kurz vor dem Spieltag war unklar, auf welchem Platz gespielt wird, dem A- oder B-Platz. Die Stadt Wolfenbüttel hatte alle Rasenplätze bis zum Folgetag gesperrt. Irgendwie fies, Gaststätte um 2 und Rasenplatz um 1 Tag verpasst. Und die Austragung auf dem B-Platz war auch eigentlich nicht möglich, da es ein Hochsicherheitsspiel und auf dem B-Platz keine Trennung der Fangruppen möglich ist. Letztlich entschied man sich das kleinere Übel, den B-Platz, weil zu dieser späten Uhrzeit (19:30 Uhr) an einem Mittwochabend nicht mit vielen Fans gerechnet wurde und man die glaubte in den Griff zu bekommen.
Spiel
Das Spiel versprach richtig Spannung. Und es sollte halten, was es versprach. Auf die Tabellensituation hatte ich ja verwiesen. Den MTV hatte ich in der Vorbereitung gesehen und war ziemlich enttäuscht vom Auftritt gegen die Freien Turner Braunschweig. Allerdings holten sie beim ersten Punktspiel ein super 4:4 beim Dritten, Bersenbrück. Das ist besonders bei der derzeitigen, dramatischen Verletztenmisere mal ein richtiges Ausrufezeichen. Es fehlen 8 (!) Spieler. Und so müssen Spieler der zweiten und der A-Jugend regelmäßig aushelfen. Atlas geht nach der 0:8-Packung des Testspieles gegen Werder Bremens 2. auch der Stift, ob die Form des Vorjahres gehalten werden konnte oder alles den Bach runter geht.
Wie immer auf dem kleinen, engen Kunstrasen-Nebenplatz ging es gleich intensiv zur Sache. Ein Kampfspiel mit vielen Zweikämpfen vom Feinsten entwickelte sich. Und überraschenderweise dominierte der Abstiegskandidat. So ging der auch verdient in Führung. Die Gäste agierten mit langen Kirschen nach vorne und auch der etwas glückliche Ausgleich vor der Pause fiel so. Danach machten die Wolfenbütteler zwei Buden und es durfte vom Sieg geträumt werden. 13 Minuten vor Schluss fiel das 2:3 und die Atlanten warfen alles nach vorne. Dem Außenseiter schienen die Beine zu schlottern. Und so fiel nicht nur der Ausgleich, sondern es drohte gar eine Niederlage. Zudem sie sich noch selbst dezimierten. Aber der Fußballgott hatte ein Einsehen und es blieb wenigstens beim 3:3. Wenn man die Umstände betrachtet, wieder geil. Aber Unentschieden verschaffen dir leider keine Luft im Abstiegskampf. Auch Delmenhorst dürfte mit gemischten Gefühlen nach Hause fahren.
Vom Platz flog übrigens Jakob Merkhoffer, der Schwiegersohn der Eintracht Braunschweig-Legende, Franz (Fury) Merkhoffer.
Stimmung
Es waren 250 Zuschauer vor Ort. Davon kamen immerhin 90 aus Delmenhorst, was angesichts der gut 200 Kilometer langen Anreise sehr respektabel ist. Sie werden erst gegen Mitternacht zu Hause gewesen sein. Chapeau! Da es anderen wie mir erging und es kaum Spiele in dieser Woche gab, tummelten sich 35 Hopper an der Meesche. Wolfenbüttel hat eine kleine aktive Fangruppe, bestehend aus knapp 10 Leuten. Diese sehr agile Gruppe, brachte eine Zaunfahne an und schwenkte munter ihre blau-roten Fahnen. Der eine oder andere MTV-Ruf war auch zu hören. In erster Linie regten sie sich aber lauthals über den Schiri auf. Da bin ich nicht so ein Freund von. Er war tatsächlich ziemlich unsicher und hätte mehr durchgreifen können aber spielentscheidende Fehler hat er auch nicht gemacht. Das Gepöbele war wohl eher blanke Abstiegsangst und Frustabbau. Netterweise traf ich noch Carsten, eine Edelfan, DK-Besitzer und Tenniskumpel meiner Uschi. So erfuhr ich auch noch ein paar Insiderinformationen, was mich gefreut hat.
Nun aber wollt ihr bestimmt wissen, weshalb das Spiel ein Hochsicherheitsspiel war. Vorab: Es blieb alles ruhig und die drei Einsatzwagen der Polizei beherbergten zufriedene Polizisten, die ihr Geld heute mal leicht verdienten.
Die Fanszene von Atlas Delmenhorst ist total verrufen. Sie soll rechtsradikal verseucht sein. Der "Block H" sei "rechtsoffen" sein, was immer das heißen soll. Rechtsextreme Tendenzen kommen immer wieder vor. Auch homophobe Banner bringen den Verein leider immer wieder in Verruf. Vereine wieder der Bremer SV und St. Pauli prangern das regelmäßig an, was Atlas Delmenhorst wütend macht. Beispielsweise hatte Pauli ein Banner im Block mit den Worten "Euer einziger 'Kult' sind eure Nazis - Atlas abschaffen".
Fazit
Der Wolfenbütteler Fußball erlebte im Sommer 2025 ein kleines Sommermärchen. Der MTV stieg in die Oberliga auf und ihre Nummer 2, Germania, in die Landesliga. Nun stehen beide mit dem Arsch am Abgrund, sprich dem sofortigen Wiederabstieg. Nicht nur das, die Zwote des MTV, derzeit klarer Tabellenführer der Bezirksliga Braunschweig, bliebe der nahe Aufstieg in die Landesliga auch verwehrt, beim Abstieg der Ersten. Noch sind nicht alle Messen gesungen, aber es wird langsam Zeit in den Quark zu kommen, sonst folgt dem Sommermärchen eine Sommertragödie!
Fotos













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