Im norditalienischen Leichtathletikstadion

Fakten
Spiel in 2025 / Gesamt** | 49 / 366 |
Stadion | Stadio Quercia |
Ort | Rovereto / Italien |
Kapazität | 3.519 |
Datum | 27.09.2027 |
Spiel | A.S.D. Rovereto (5.) - A.S.D. Anaune Val di Non (7.) |
Ergebnis | 1 : 2 |
Zuschauer | 200 |
Liga | Eccelenza Trentino-Alto Adige |
Ebene* | 5 |
Liga (vollständig) | 1 von 16 |
Ground - alt / Anzahl Besuche | nein |
Ground - neu / Anzahl Grounds | ja / 195 |
Land alt / Anzahl Grounds | ja / 4 |
Land neu / Anzahl Länderpunkte | nein |
*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen
** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt
Vorspiel
Zwei Wochen Malcesine am Gardasee und Bozen. Herz, was willst du mehr? Fußball! Neue Grounds! OK, bekommst du natürlich. Allerdings ist leider gerade Fucking-Länderspielpause, in der sich die Euphorie um das Colgate-Pferdegebiss gerade abkühlt. Ich besuche ja fast am liebsten Spiele der unteren Klassen. Aber hier hätte ich gerne mal den FC Bologna oder Atalanta Bergamo besucht. Was soll's: Die ersten drei Ligen pausieren hier ebenso wie in Deutschland. Und der nächstgelegene Ground mit Spiel liegt gut eine Stunde von Malcesine entfernt in Roventero. Dort spielt der heimische Club heute in der fünften Liga.
Roventera mit seinen gut 40.000 Einwohnern ist sehr geschichtsträchtig. Die Stadt wird auch seit dem 18. Jahrhundert "Athen des Trentino" genannt. Die Seidenraupe brachte vor Hunderten von Jahren Wohlstand nach Rovereto. Und die wohlhabenden Bürger förderten Geist und Kultur. Es entstand dadurch auch eine bedeutende Akademie der Künste, Wissenschaft und Literatur. Und so lag der Name nahe. Leider birgt Rovetero auch eine schreckliche Seite der Geschichte in sich: Im Laufe der Zeit fanden gerade hier besonders grausame Gemetzel während verschiedener Kriegsschlachten statt. Das lag wohl auch an der Tallage der Etsch. 20.000, überwiegend Italiener und Österreicher, fielen hier während dieser drei Schlachten:
1487 Venedig – Tirol
1796 Napoleon - Österreich
1015–18 Italien – Österreich
Zum Gedenken daran gibt es hier nun zwei außergewöhnliche Denkmäler. Das Gebeinehaus, in welchem tausende Skelette der Opfer des 1. Weltkrieges gelagert werden. Sie wurden dazu von allen umliegenden Friedhöfen hierher gebracht. Und ein weiteres Mahnmal befindet sich in der Nähe: Eine riesige Glocke. Die wurde aus Stahl aller beteiligten Kriegsnationen gegossen. Noch heute schlägt sie täglich zum Gedenken an die Toten. Sie ist übrigens die fünftgrößte schwingend-läutende Glocke der Welt. Wir hatten keine Zeit, diese Stätten zu besuchen, haben sie aber auf dem Weg zum Stadion gesehen – beeindruckend!
Der hiesige Fußballclub heißt nach mehrmaliger Umbenennung seit Kurzem: A. S. D. Rovereto. Das Akronym A. S. D. steht im italienischen Sport für Associazione Sportiva Dilettantistica. Auf Deutsch bedeutet dies Amateursportverein. Das ist nur unterhalb von Serie C möglich und birgt steuerliche Vorteile, hat aber auch strenge Anforderungen, z. B. an demokratische Wahlen im Verein. So richtig erfolgreich sind sie hier nicht im Fußball. Die Ligazugehörigkeit schwankte stark zwischen der 3. und der 8. Liga.
Der heutige Gast heißt A. S. D. Anaune Val di Non. Also auch ein A.S.D.-ler. Es ist ein sehr interessanter Verein. Sein Herzstück ist die Jugendarbeit. Inklusive der Spieler und der Betreuer sind hier 450 Menschen für die bis zu 18-Jährigen aktiv. Und der Verein liegt wirklich etwas am Arsch der Welt in einem recht abseitigen Tal, dem Tal der Nonnen. Sein Hauptort ist das kleine Cles. Aber der Verein verbindet die Sportanlagen von 5 Vereinen des Tals miteinander. So richtig verstehen aber tun selbst die Italiener die Menschen hier nicht. Denn sie sprechen ein extremes Kauderwelsch. Da hier ungefähr auch die deutsche Sprachgrenze liegt, gibt es sogar einen deutschen Einschlag. Beispiel gefällig? Schmutzig heißt hier "smuzzec". Und gegen einen sumzzecigen Dreier hätte der Verein heute bestimmt nichts.
Ground
Der heutige Ground, das Stadio Quercia (Eichenstadion), ist schon sehr außergewöhnlich. 1964 wurde es eingeweiht im Rahmen seiner hauptsächlichen Bestimmung als Leichtathletikstadion. Und gleich mal mit den italienischen Leichtathletikmeisterschaften, die später nochmals hier stattfanden. Inzwischen ist das Stadio Quercia auch fest verankert im internationalen Meetingkalender. Natürlich gab es 1964 noch die guten alten, roten Aschebahnen. Und Nutzer war der US Quercia, ein Multisportartenverein, von dem das Stadion auch seinen Namen bekam. Irgendwann durfte auch der FC Roventera (so hießen sie damals noch) dort spielen. Sie fühlten sich jedoch dort nie richtig heimisch, sondern immer nur als Gast des US Quercia. Ich denke, es fühlt sich etwas an wie beim TSV Havelse, wenn sie im Niedersachsenstadion spielen müssen. Wenn du am Parkplatz ankommst, siehst du erstmal die plakativ bebilderte Tribünenrückseite. Es scheinen hier alle Sportevents des Jahres angepriesen zu werden und es macht schon mehr her als die übliche Betonwand. Mächtige Flutlichtmasten siehst du schon von weitem. Das Kassenhäuschen war eine Stunde vor Spielbeginn noch geschlossen. Aber wir kamen schon rein und holten uns am Kiosk was zu trinken. So richtig viel gibt es hier nicht. Als Verpflegung müssen Chips und Schokoriegel herhalten. Die überdachte Haupttribüne bietet 2.500 Zuschauern Platz. In der Mitte sind Sitzschalen und daneben Stehplätze. Die unüberdachte Gegengerade ist gerade Baustelle und hat eigentlich auch 1.000 Sitzplätze. An einer Kurve ist nichts, an der anderen befinden sich zwei Stehränge. Man blickt nach links zum gerade fertiggestellten Kunstrasenplatz. Das absolute Highlight stellen natürlich die Berge der Dolomiten dar, die einen fantastischen Rahmen bilden. Eine Anzeigetafel gibt es erstaunlicherweise nicht. Aber der Stadionsprecher macht Mucke und erzählt einem alles Wesentliche in martialischer Lautstärke.
Spiel
Beide Teams kamen gut in die Saison, was einiges versprach. Das Spiel sollte etwas komisch werden. In Hälfte eins dominierte krass die Gästeelf aus dem Nirwana der Dolomiten. Und vollkommen verdient führte sie auch 2 zu 0. Immerhin lief Rovereto dann nach der Pause ordentlich an. Aber es war fast alles brotlose Kunst. In der 67. Minute fiel dann aber doch der Anschlusstreffer. Aber eine ordentliche Schlussoffensive brachten sie nicht mehr zustande. Der Gast schaukelte das Spiel somit entspannt zum Sieg. Und nicht nur das, der sumzzecige Dreier brachte ihnen sogar die Tabellenführung ein.
Stimmung
Immerhin kamen noch 200 Zuschauer. Ich hatte sogar mit noch weniger gerechnet. Und 50 Anhänger kamen sogar die 60 Kilometer aus dem Norden hierher. Erstmal war es totenstill hier. Ach du Schande. Nur ein einziger Heimfan, mit dem wir vor dem Spiel kurz schnackten, machte Lärm. Und wie: In minütlichen Abständen brüllte er mit seinem extrem ausgebildeten Sprachorgan hauptsächlich "bravissimo" und "fenomenale". Das schüchterte seine Nachbarn wohl eher ein, von denen quasi nichts kam. Aber immerhin wurde die 50 aus dem Norden dann nach der Führung etwas munterer und machten etwas Stimmung. Was vollkommen fehlte, waren Fahnen, Trikots, Gesänge und Ähnliches, was sonst für gute Stimmung sorgt. Aber das wird bei den Leichtathletikevents bestimmt ganz anders aussehen.
Fazit
Wo wir gerade bei der hiesigen Kernsportart sind. Hier wird weiter kräftig investiert ins Stadio Quercia. Die Gegentribüne ist ja derzeit Baustelle. Der Grund: Die Tribüne wird ausgebaut (von ehemals 800 Plätzen) und soll danach wohl Platz für nochmals 2.500 Zuschauer bieten. Kapazität wäre dann so 5.000 bis 6.000. Aber weshalb werden hier nochmal 12 Mio. Euro investiert? Für die 200 Zuschauer der Fußballer wohl eher nicht. Das Spektakuläre wird der Unterbau der neuen Gegentribüne sein. Hier entsteht eine Indoor-Leichtathletikanlage vom Feinsten unter den Plätzen. Laufbahnen und Sprunganlagen wird es dann geben. Und nicht nur das, auch Volleyball- und Basketballfelder werden entstehen. Dem A. S. D. Rovereto wäre es zu wünschen, dass sie mal einen eigenen kleinen Ground bekommen, wo sie und ihre Fans sich wohlfühlen könnten.
Fotos













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