Klingt wie Urlaub: Bosporus Peine
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- 26. Juli
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 29. Juli
Fakten
Stadion | Sportplatz am Krankenhaus |
Ort | Peine |
Kapazität | 1.000 |
Datum | 26 .07..2026 |
Spiel (Platzierungen) | SV Bosporus Peine (-) - TSV Arminia Vöhrum (-) |
Ergebnis | 5 : 1 |
Zuschauer | 80 |
Wettbewerb | Kreispokal Peine - 1. Runde |
Ebene* | 8. (Kreisliga Peine) : 8. (Kreisliga Peine) |
Liga (vollständig) | 4 von 15 |
Ground alt / Anzahl Besuche | nein |
Ground neu / Anzahl Grounds | ja / 183 |
Spiel in 2026 / Gesamt** | 33 / 350 |
*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen
** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt
Vorspiel
Ich hatte mal wieder ein richtig geiles Wochenende. Am Samstag Geburtstagsfeier in Wolfenbüttel bei Da Giovanni. Mit guter Laune und netten Menschen, nur der Ober war verpeilt und ließ mich fast verdursten. Aber ich habe es glücklicherweise überlebt, sodass ich Sonntag hoppen konnte. Ich bin kein großer Fan von Testspielen. Hießen die früher nicht Freundschaftsspiele? Deshalb musste ich lange nach einem Spiel suchen, bei dem es um was geht. Bin fündig geworden: Der Kreis Peine spielt seine erste Runde im Pokal aus. Meine Wahl fiel auf SV Bosporus Peine gegen den TSV Arminia Vöhrum.
Es ging also mal wieder in die Stahl- und Arbeiterstadt zwischen Braunschweig und seinem westlichen Vorort. Auf braunschweigerisch heißt es nur Pahne. Und einen Nickname hat Peine auch und zwar "Eulenstadt“ oder „Eulennest". Ihr wollt wissen, weshalb? Ich auch. Weiß aber keiner. Natürlich ranken gerade deshalb die fantasievollsten Stories genau darum. Der Ort hat wie viele Malocherstädte einen hohen Ausländeranteil. Hier sind es unsere türkischstämmigen Mitbürger, die gut vertreten sind (im Süden der Stadt mit rund 40 %).
Und hier im Süden kickt auch, wenig überraschend, der SV Bosporus Peine. Der Verein wurde 1986 gegründet. Damals gingen viele Türken zurück in ihre Heimat. Die Jugendlichen mussten neue Freunde und Beschäftigungen finden. Deshalb gründete unter anderem Niyazi Bacaksiz, um die Jungs von der Straße wegzubekommen. Er spendete über Jahre hinweg 20 % seines Lohnes für die Jugendarbeit des neuen Vereines. Solche Kerle braucht das Land! Sportlicher Höhepunkt der Vereinsgeschichte war der Aufstieg pünktlich zum 25-jährigen Vereinsjubiläum in die Landesliga. Na gut, es ging dann gleich wieder runter und das bis in die Kreisklasse. Nun stiegen sie gerade wieder auf in die Kreisliga.
Der Kontrahent um den Einzug in die zweite Pokalrunde kommt aus Vöhrum. Der größte Ort des Landkreises Peine wird ebenfalls vom Tagebau dominiert. Der ansässige Fußballverein hat seinen Namen, Arminia, wie viele andere Vereine ebenfalls, von dem antiken Cheruskerfürsten Arminius, der richtig erfolgreich Kriege führte und die Römer aus Germanien vertrieb. Nur sein römischer Name war natürlich voll daneben. Deshalb germanisierte man ihn zu Luthers Zeiten in den wohlklingenden urdeutschen Namen "Hermann". Bei den vielen alten deutschen Namen, die den neuen Jungs heutzutage gegeben werden, fehlt Hermann leider noch fast gänzlich. Er ist nicht mal unter den ersten 500 im Ranking. Dabei war er 1891 noch Spitzenreiter. Also, liebe Eltern, schlagt zu, bevor es die anderen auch tun, und nennt eure Söhne Hermann.
Ground
Regnet es oder nicht und wenn ja, wann? Antwort: Unklar. Das bedeutet zweierlei: Ohne Uschi, aber mit Auto zum neuen Ground, dem "Sportplatz am Krankenhaus". Es ist übrigens ein Fast-Pleite-Schuppen und konnte sich nur mit externer Hilfe vor dem Exodus retten. In seinem Schatten, quasi im Nichts, liegt der Ground des SV Bosporus Peine. Schön, dass sie endlich einen eigenen haben, denn jahrelang mußten sie mal hier und mal da spielen. Gut, der Acker ist nun nicht gerade eine Stadionperle. Hinter einer Hecke liegt ein Rasenplatz mit Ballfangzaun zu den zwei Funktionsgebäuden. Das sind eines für Umkleidekabinen und eines für einen kleinen Getränkekiosk. Ein wenig Mörtel und frische Farbe könnten ihnen nicht schaden. Am Zaun hängen vier blau-weiße Fahnen. Davor stehen ein mobiles Zeltdach und ein Holzkohlegrill. Das ist für mich das Beste des Grounds. Denn hier wird türkisch gegrillt. Zum Beispiel rote Rindswürste in dick und in dünn. Und dann noch kleine, flache Hackfleischfrikadellen, die der Grillmeister selbst gemacht hat. Die werden in knuspriges Fladenbrot gelegt. Und dann kannst du dir dazu leckeren, auch selbstgemachten Salat mit diversen Saucen in den Fladen packen. Schätze, der Griller wäre ein absoluter Top-Mann für "Grill den Henssler".
Spiel
Das kreisligainterne Duell versprach Spannung. Und wie macht sich der Aufsteiger Bosporus gegen den Arrivierten, Arminia?
Die Arrivierten zeigten sich von der ersten Minute an ihre Klasse. Sie kombinierten sich ein ums andere Mal mit feiner Klinge durch die etwas hölzern wirkenden Reihen von Bosporus. Das Tor war nur eine Frage der Zeit und fiel dann auch erwartungsgemäß in der 35. Minute. Ich machte noch meine Notizen, da wurde es laut um mich herum: Ausgleich. Und noch vor der Pause sogar die Heimführung. Der Heimtrainer stand neben mir und kommentierte nur trocken: „Vollkommen unverdient.“ Aber die Gäste blieben ihrer Strategie treu und vertrauten auf die Gerechtigkeit. Selbst als nach 66 Minuten der nächste Konter ins Tor traf, verzagten sie nicht. Erst als das 4:1 und der Schlusstreffer zum 5:1 fielen, wurde der Frust zur Last. Manchmal kann Fußball eben ungerecht sein.
Andererseits, wer so effektiv ist und einen Ersin Arayici in seinen Reihen hat, der hat es dann auch verdient. Der Königstransfer der Peiner macht tatsächlich alle 5 Buden himself. Der Name wird einigen vielleicht bekannt vorkommen. Denn er spielte unter anderem bei Eintracht 2., Vahdet Braunschweig und den Freien Turnern Braunschweig. Aber seine ganze Karriere war von andauernden, langwierigen Verletzungen durchzogen. Deshalb gönnt er seinem nicht leistungssporttauglichen Körper nun die Ruhe der Kreisliga. Und er kann es noch!
Glückwunsch an den SV zur zweiten Runde und viel Glück im Kampf gegen den Abstieg. Mit einem verletzungsfreien Ersin wird das kein Problem sein, aber ohne ihn?
Stimmung
Der schon gehuldigte Grillmeister ist hier auch der Capo. Zur Begrüßung machte er richtig ein Fass auf. Erst gabs Konfetti und dann noch reichlich blaues und weißes Pyro. Und dann stimmt er als Ein-Mann-Chor noch kräftig "Bosporus, Bosporus" an. Der Typ macht echt was her.
Und 80 Zuschauer, davon 10 Fans der Gäste, sind auch ok. Die Heimfans sparten nicht an Applaus und Kommentaren. Im Laufe des Spieles wurden diese leider ziemlich aggressiv. Und das, obwohl es für sie so gut lief. Bei allem Verständnis für südländische Emotionen, das muss nicht sein.
Ach so, in der zweiten Halbzeit begann es dann heftig und das über 45 Minuten lang zu regnen. Einer fiel etwas auf, da er ohne Regenschutz, aber mit Turnhose und Poloshirt ausgestattet war. Ihr kennt ihn.
Fazit
Zum Abschluss möchte ich noch auf den herrlichen, nach Urlaub klingenden Vereinsnamen „Bosporus“ eingehen. Logisch, dass die namensgebende Meerenge samt Brücke, die Europa mit Asien verbindet, auch auf dem Vereinswappen zu finden ist. Denkt man bei Bosporus nicht an Meeresrauschen, Knoblauch und lautstarke Fußballfans?
Was denkt ihr, sind die häufigsten Vereinsnamen türkischer Clubs in Deutschland? Schaut, das sind sie:
1) Türkspor
2) Türkgücü
3) Türkiyemspor
4) Vatanspor
5) Galatasaray, Fenerbahce, Besiktas
6) Hürriyet
In Braunschweig und Umgebung ist es Vahdet.
Aber der seltene Vereinsname Bosporus ist doch der schönste, oder?
Fotos













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