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Wipshausen, Stätte des Verbrechens

  • Autorenbild: Cookie
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  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Fakten

Stadion

Sportplatz Wipshausen



Ort

Edemissen



Kapazität

1.000



Datum

22.03.2026



Spiel (Tabellenplatz vor Spiel)

TSV Wipshausen (8.) - FC Wenden (9.)



Ergebnis

0 : 3



Zuschauer

110



Liga

Bezirksliga Braunschweig 2



Ebene*

7



Liga (vollständig) - Besuchte / Gesamt

14 / 15



Ground - alt / Anzahl Besuche

nein



Ground - neu / Anzahl Grounds

ja / 168



Spiel in 2026 / Gesamt**

9 / 326



*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen

** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt


Vorspiel 

Endlich mal wieder in den Niederungen der Braunschweiger Fußballszene unterwegs. Und dann sogar noch bei Sonnenschein und in meiner Lieblingsliga, der Bezirksliga Braunschweig 2. Und meine Uschi ist auch mitgekommen. 

Es sollte heute zum vorletzten Ground der Liga gehen, nach Wipshausen. Die Recherche über diesen Ort nordwestlich vor den Toren Braunschweigs stellte sich für mich, den Liebhaber der Kriminalliteratur, höchst spannend dar. Inzwischen weiß ich, dass das Nest (1.660 Einwohner) eine regelrechte True-Crime-City ist. Das ging schon ganz früh los und hängt auch mit dem heutigen Gast aus Wenden zusammen. Denn archäologische Ausgrabungen von Wallanlagen werden so interpretiert, dass sie zum Schutze gegen die imperialistischen Wenden, gebaut wurden. Ja, von diesen Wenden hat, welch' Überraschung, der Ort Wenden auch seinen Namen. Mehrere andere Ortsnamen in der Gegend (Wendhausen, Wendeburg, Wendezelle) zeigen, dass die östlichen Nachbarn der Germanen sich hier gut breit gemacht hatten. Berühmt wurde Wipshausen durch den Heidkrug. Die Schänke beherbergte schon seit 1770(!) Pferde und Kutscher. Die Händler begangen damals schon wie heute fleißig Steuerbetrug, in dem sie hier die Zollstationen auf dem Weg nach Braunschweig großzügig umkurvten. 1805 wurde das nächste Verbrechen hier begangen. Eine Räuberbande überfiel den Heidkrug und stahl 600 - 700 Taler. Es kommt jedoch noch schlimmer! Am 4. Mai 1994, es lief das Europapokalendspiel (AC Parma - Arsenal London) im Fernsehen, hörte die Heidkrugwirtin, Erika Blickwede zwei Schüsse. Sie eilte daraufhin auf den Parkplatz und fand Artur Linzmaier nach zwei Kopfschüssen verblutend in seinem Toyota. Der sogenannte "Kopfschuss-Killer" konnte nie gefunden werden. Und dann gab es besonders in den 60er Jahren noch die vielen Trunkenbolde, die oft mit überhöhten Geschwindigkeiten zum Heidkrug bretterten, um sich spät abends noch das berühmte Sauerfleisch zu gönnen. Die Ordnungshüter sah man damals selten bis nie hier. Seit dieser Zeit heißt die Kurve am Heidkrug bei den Einheimischen "Sauerfleischkurve". Kleiner Funfact: Nach dem Weltkrieg musste sogar der Stiefelknecht beim Eingang zum Heidkrug angekettet werde, weil er immer geklaut wurde. Ganz schön viel Crime für 1.660 Einwohner, oder?

Ganz so spektakulär gings beim TSV Wipshausen in seiner gut 100 jährgen Geschicht (glücklicherweise) nicht zu. Das überragende Ereignis war der erstmalige Aufstieg in die Bezirksliga im Mai 2025. Da hat der Gast aus Wenden schon mehr vorzuweisen (vgl. https://www.cookiehoppt.com/post/beim-grenzstein-zwischen-hb-und-kh). 


Ground

Der Sportplatz Wipshausen stellt in dieser Stätte des Verbrechens einen angenehmen, wie idyllischen Ruhepol dar. Naja, wo ich es jetzt schreibe, muss ich es gleich wieder einschränken. Denn die Ruhe der "Sportanlage am Badesee", wie der Platz auch genannt wird, wird häufig gestört. Denn es gibt hier viele Kieskuhlen, von denen mehrere noch im Betrieb sind. Und die machen oft einen Heidenlärm. Ansonsten ist es ein typischer Dorfsportplatz. Und den Tag zuvor machten Freiwillige hier sogar den Frühlingsputz. Es gab das jährliche Laubharken. Dafür muss hier keiner mehr Rasenmähen, da gerade in einen Mähroboter investiert wurde. Eine feine Gaststätte ist hier zu finden, mit großer Wolters-Pilsener-Flagge direkt hinterm Eingang. Heute wurde natürlich davor gegrillt. Es gab ein überschaubares Angebot, und zwar Würste. Pommes für die vielen anwesenden Kinder (und Vegetarier) würden hier bestimmt auch gut gehen. Und schmecken die Bratwürste? Das wurde ein Ordner beim Kassentisch von einem Kollegen auch gefragt, mit skeptischem Blick auf das Toastbrotdreieck. Antwort: Mit Hela schmeckt alles. Wo er recht har, hat er recht. Highlight ist die 100-Meter-Laufbahn. Sowas verranztes habe ich selten gesehen. Herrlich. Hier dürfte seit ca. 50 Jahren niemand mehr gelaufen sein. 


Spiel

8.gegen 9. wirkt wie ein lahmes Mittelfeldduell. Aber wenn man den Abstand zum ersten Abstiegsplatz anschaut, sieht die Welt schon anders aus. 5 Punkte und schon mehr 2 Spiele mehr ausgetragen. Oha, da geht es noch um was.

Vielleicht erklärt die Anspannung das extrem miese Spiel der ersten Halbzeit. Es fehlte einfach an allem und das bei beiden Teams. Ich bekam schon Muffe vor dem ersten 0:0 des Jahres. Dann musste der Heim-Goalie zur Pause ausgewechselt werden. Und der erste vernünftige Angriff des Spieles brachte nach schöner Flanke das Kopfballtor für den FC Wenden. Das beflügelte diese nun endlich. Großartig wars immer noch nicht. Aber die Angriffe mehrten sich. Folgerichtig fielen noch das zweite (Lupfer) und dritte (Elfer) Tor. Der Ersatzkeeper war zumindest nicht an der Niederlage schuld. Was war nur mit Wipshausen los? So kann es nochmal richtig eng werden. 

Einen Aspekt muss ich nochmal erwähnen. Mir sind die Internas bei Wenden nicht bekannt. Ich weiß nur, dass es in der Saison bereits Unruhe mit den Trainern gab. Und hier wirkte es so, als hätten sie zwei Trainer. Und beide waren sehr aktiv mit ihren Ansprachen zu den Spielern. Einmal rief sogar ein Spieler zurück "Auf wen sollen wir nun hören?". Ich halte von solchen Konstellationen nichts. Wenn es funktionieren soll mit zwei Trainern, müssen die aber hervorragend zusammenarbeiten und auch gleich ticken. Die beiden an der Linie taten das aber nicht. Das wirkt bei den beiden nicht so. Ich glaube, sie wechselten kein einziges Wort miteinander. Das wird nicht mehr lange gut gehen!


Stimmung

Es war tote Hose am Badeteich. Und das obwohl gute 110 Menschen das Spiel besuchten. Schätze 10-20 davon aus Wenden. Jegliche Art von Support, wie Gesänge aber auch nur Fanutensilien war Fehlanzeige. Rappelvoll war aber der Fahrradparkplatz und es spielten viele Mütter mit ihren Kindern neben dem Platz. Wie gesagt, nun noch Pommes Schranke und ... Ach ja, die Wendener Lichtgestalt, Rainer Zobel war auch da. Er beendete 1982 seine Laufbahn (u.a. Bayern München) und ist seit langem für den FC Wenden in verschiedenen Positionen tätig. 


Fazit

Den Heidkrug gibt es inzwischen nicht mehr. Schade. Es war mehrere Jahrhunderte (!) das Highlight überhaupt von Wipshausen. Aber der Name "Sauerfleischkurve" wird für immer bleiben. Das selbstgemachte Sauerfleisch mit Bratkartoffeln von "Tante Emmi" muss ein Traum gewesen sein. Es gab es in zwei Versionen. Die "Portion für Gesunde" und die "Portion für Kranke". Tante Emmi musste oft die Frage nach dem Warum beantworten. Für sie war es klar: Die Kranken brauchen mehr, die müssen doch wieder gesund werden!

Glücklicherweise hat das Nachfolgelokal „Platzhirsch“ das Kultgericht auch ins Angebot übernommen. Ob's auch ohne Hela schmeckt?


Fotos


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