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„Das hat mit Fußball nichts zu tun"

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  • vor 23 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Fakten

Stadion

Volksparkstadion

Ort

Hamburg

Kapazität

57.274

Datum

11.03.2026

Spiel (Platzierungen)

FC Bayern München Frauen (1.) - Hamburger SV Frauen (12.)

Ergebnis

0 : 3

Zuschauer

12.638

Liga

DFB-Pokalspiel

Ebene*

1.(Bundesliga) - 1. (Bundesliga)

Liga (vollständig)

6 von 14

Ground alt / Anzahl Besuche

ja / 7

Ground neu / Anzahl Grounds

nein

Spiel in 2025 / Gesamt**

7 / 324

*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen

** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt


Vorspiel

Am Donnerstag geht es in den Urlaub nach Malta und nen Länderpunkt machen :-). Da geht doch was. Dienstag mit D-Ticket von Braunschweig ins Hotel Pyjama (sehr empfehlenswert) im Schanzenviertel. Und abends in vegetarisches Restaurant mit Kumpel Willi mampfen gegangen (Blattgold; ging so). Und dann Mittwoch zum DFB-Pokal-Viertelfinale ins Volksparkstadion. Willi fiel krankheitsbedingt aus, Barki konnte auch nicht. Dann eben allein.

Der HSV ist Aufsteiger und kämpft gegen den sofortigen Wiederabstieg. Sie sind noch knapp über dem Strich. Für mich was Besonderes, dass mein langjähriger Arbeitgeber, OTTO, hier nun Exklusivsponsor ist. Das wäre zu meiner Zeit nicht möglich gewesen. Da hat Dr. OTTO nur Elbschutz- und Kunstprojekte etc., nicht aber Sport gesponsort. Für die HSV-Damen natürlich ein Hammer, solch ein Sponsor.

Komme ich zum FC Bayern Frauen: Nach den Herren ist nun auch die Frauenmannschaft die unangefochtene Nummer 1 im deutschen Fußball. Der letzte langjährige Kontrahent, der VfL Wolfsburg kann inzwischen auch nicht mehr dagegen anstinken. Zur europäischen Spitze reicht es noch nicht ganz aber wie ich die Bayern kenne... Bis 1970 untersagte der DFB ja noch den Frauenfußball. Ich bin mir gar nicht sicher, ob es da noch einen iranischen DFB-Präsidenten gab. Basler wird es jedenfalls gefreut haben. Bei der ersten Deutschen Meisterschaft scheiterte der FCB noch an der Lichtgestalt des damaligen Frauenfußballs, dem SV Buchbach-Calmesweiler. Auch die kommenden drei Jahrzehnte wurde es kaum bessert bei den Bajuwarinnen. Eine Ausnahme gab es 1976 mit der ersten und für viele Jahre letzten Deutschen Meisterschaft. Erst 36 Jahre später gab es mit dem DFB-Pokal den nächsten Titel. Inzwischen sind sie der größte Titelsammler Deutschlands und Serienmeister. Ihre aktuelle Dominanz macht die Liga aber fast ebenso langweilig wie bei den Männern. Seit 45 Spielen sind sie national ungeschlagen. 

Den Pokal haben sie erstaunlicherweise erst zweimal gewonnen. Hier ist bis auf weiteres der VfL Wolfsburg mit 11 Titeln das Maß aller Dinge. 


Ground

Erstmal schön, dass auch die Frauen nun im Volksparkstadion spielen. Auch das ist ein klares Zeichen des Vereins. Das Stadion hat seinen Namen durch den anliegenden Altonaer Volkspark. Lange Zeit musste das Stadion auch hier Sponsorennamen ertragen. Aber Onkel Kühne macht auch das möglich. Seit der aktuellen Saison hat das Baby wieder seinen alten Namen, Volksparkstadion, zumindest erstmal für drei Jahre. Es war einmal das größte Stadion, außerhalb von West-Berlin, in Deutschland. Umbaumaßnahmen senkten die Kapazität aber auf unter 60 Tsd. Dafür hat es jetzt eine Sahne-Akustik. Die war davor sowas von schlimm. Ich weiß noch als ich in den 80ern da war und man die Fans von gegenüber kaum hörte. Es gehörte damals zu den unbeliebtesten Stadien Deutschlands. Deshalb aber auch wegen rechter Fans, die regelmäßig dunkelhäutige Spieler verhöhnten und bepöbelten. Deshalb brauchte damals Hamburg auch so etwas wie St. Pauli als Gegenentwurf.

Man kommt leider nicht gut hin zum Stadion mit Bussen und Bahnen. Ich musste zum Beispiel noch 20-30 Minuten durch den Regen am Friedhof vorbei latschen. Endlich sah ich an der langen Straße einen Imbiss oder Kiosk. Die Aussicht auf ein Getränk mit Toilette ließ meine Stimmung steigen. Leider entpuppte sich der Bau als Friedhofsgärtnerei. Aber dann kam sie doch, die heißersehnte Gaststätte, namens Picknick. Pommes, Pils und Klo machten mich glücklich. Kurz danach war es da, das schön anzusehende Volksparkstadion. Dieses unvergleichlich strahlende satte Blau hat schon was. Sowohl von innen als auch von außen. Und richtig komfortabel sind die schön weichen gepolsterten Sitze. Da sind unsere Allerwertesten in der Regel anders gewohnt. 

Viel länger als 20 Jahre wird es diesen schönen Ground aber nicht mehrt geben. Die Stadt hat gerade beschlossen, sich für die olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 23044 zu bewerben. Dann soll es ein neues 60 Tsd.-Leichtathletikstadion geben. Das wird dann nach der Olympiade in ein reines Fußballstadion mit 70 Tsd. Kapazität umgebaut. Wenn es aber keine Olympiade in Hamburg geben sollte, dann kommt der neue Tempel trotzdem. 


Spiel

Wenn David gegen Goliath spielt, dann hofft man immer auf eine Sensation. Das sind dann die unvergesslichen Momente eines jeden Fußballfans. Das sollte ich heute nicht erleben dürfen. Im Gegenteil, schon in der 6. Minute ging der FCB in Führung. Immerhin hielt der Underdog dieses Resultat bis zur Pause. Eine kleine Hoffnung auf ein Wunder verblieb also erstmal. Allerdings waren die Rothosen haushoch überlegen. Ich schätze, dass sie über 80% Ballbesitz hatten. Der HSV fand offensiv nicht statt. Aber sie verteidigten bravourös und warfen sich in alle Schüsse. Nach der Pause das gleiche Bild. In der 66. Minute war es dann aber doch soweit. Franziska Kett tänzelte an den Rauten vorbei, tunnelte eine Gegnerin und netzte stark ein. Damit war der Stecker endgültig gezogen. Ich erfreute mich dann einfach am guten Spiel der Münchnerinnen. Immerhin hatten die Hamburgerinnen in der 82. Minute ihre erste und einzige Torchance durch einen feinen Hackentrick. Kurz vor Schluss dann noch das 0:3. Und in der Nachspielzeit lag dann auf einmal eine HSV-Spielerin auf dem Boden. Rudelbildung mit gelber Karte waren die Folge. Was da los war, erkannte ich nicht. Hatte mir etwas mehr von den Außenseiterinnen erhofft. Aber nun geht es für diese nach der heutigen Kür um die Pflicht, den Kampf um den Klassenerhalt. Die Bayern bekamen gleich vor Ort ein Glücklos mit dem Heimspiel gegen SGS Essen gezogen. Da rückt ein Endspiel Rekordsieger gegen Titelverteidiger in greifbare Nähe.

Und ganz nebenbei: Spiel Nummer 46 national ungeschlagen. Kommt es bald zum 50sten Jubiläum? Oder wird jemand zum Party-Crasher für die Münchnerinnen?


Stimmung

Mit mehr als 12 Tsd. Zuschauern bot sich eine stimmungsvolle Kulisse. Angeblich sollen 800 Münchner darunter gewesen sein. Hhm, hätte eher auf die Hälfte getippt. Andererseits schienen sich auch viele unter die Hamburger gemischt zu haben, was man beim Torjubel immer gut sieht. Und beim Frauenfußball kommst du als Gast ja trotzdem unverletzt aus dem Stadion. Der kleine Haufen Supporter (unter 100) HSV-Fans machte über das gesamte Spiel ordentlich Stimmung. Die Vielfalt des Liedgutes hat durchaus Luft nach oben. Die Münchner Zuschauer waren sehr zurückhaltend. Obwohl mich die reine Zahl an Rot-Weißen für einen Mittwochabend schon beeindruckte. 

Was wirklich ausgesprochen beeindruckend hier bei den Damen ist, ist das Rahmenprogramm, was der Verein hier abzieht. Da sind zum einen die emotionalen HSV-Songs, die bei mir immer unter die Haut gehen. Die Effekte mit der Stadionbeleuchtung haben es mir auch angetan. Und vor dem Spiel und in der Pause wird für Kurzweiligkeit gesorgt. Beispiele gefällig? Ein Interview mit der Trainerin vor dem Spiel. Es wird über die Mädchenmannschaften berichtet. Und 4 von ihnen werden gesondert gewürdigt und sie dürfen einmal unter großem Applaus um den Platz gehen. Dass der Verkauf des Obdachlosenmagazin Hinz&Kuntz im Stadion durch den Stadionsprecher beworben wird, macht mir den HSV gleich noch sympathischer. Und als es pünktlich zum Spielbeginn richtig zu schiffen anfing, reagierte der Stadionsprecher mit "Wir lassen unseren HSV nicht im Regen stehen". Alles in Allem großes Kino!


Fazit

Ein Frauenfußballspiel ist einen Besuch wert. Auch wenn naturgemäß Frauen etwas langsamer sind als Männer und die Schussgeschwindigkeiten niedriger sind. Es trifft natürlich auch auf jede andere Sportart zu, dass die biologischen Unterschiede Auswirkungen haben. Natürlich düst eine Emma Maier nicht so schnell den Abfahrtshang hinab wie Franz Klammer. Und die Würfe der Handballerinnen sind nicht so hart, wie die der Männer. Aber muss man deshalb die Sportlerinnen verhöhnen und veralbern? Es würde ja reichen, nicht hinzugehen oder hinzuschauen, wenn einem das nicht gefällt.

Nicht so Oberproll Mario Basler. Im Podcast des Südwestfunkradios vor kurzem gab er zum Frauenfußball zum Besten: "Das hat mit Fußball nichts zu tun" und er verunglimpfte den Frauenfußball. Der HSV hat cool drauf reagiert. Er hat Primitivo zum heutigen Pokalspiel eingeladen. Basler sagte aber ab, da er keine Zeit habe. Ist wohl auch besser so. Seine Anwesenheit wäre für mich vergleichbar damit, als wäre ein Neo-Nazi beim Parteitag der Grünen anwesend.


Fotos














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