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Ein schlafender Braunschweiger Riese?

  • Autorenbild: Cookie
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  • vor 3 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Fakten

Stadion

Sportanlage Bienroder Weg Olympia B-Platz



Ort

Braunschweig



Kapazität

1.000



Datum

26.04.2026



Spiel (Tabellenplatz vor Spiel)

TSC Vahdet Braunschweig (10.) - VfB Fallersleben (13.)



Ergebnis

2 : 5



Zuschauer

85



Liga

Landesliga Braunschweig



Ebene*

6



Liga (vollständig) - Besuchte / Gesamt

9 / 16



Ground - alt / Anzahl Besuche

ja / 2



Ground - neu / Anzahl Grounds

nein / 174



Spiel in 2026 / Gesamt**

17 / 334



*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen

** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt


Vorspiel 

Tochti war für ein paar Tage bei uns in Braunschweig, deshalb kein Kick in der Woche. Am Sonntag brachte ich sie zum Flughafen West-Peine. Von dort ging es dann direkt zum Re-Visit der Sportanlage Bienroder Weg in Braunschweig. Das Spiel TSC Vahdet Braunschweig gegen den VfB Fallersleben versprach Abstiegskampf pur. 

Und außerdem war ich sehr gespannt, wie Vahdet die Querelen der letzten Tage verarbeitet hat. Es verhieß nichts Gutes, denn vorige Woche gab es gleich eine 0:5-Klatsche im Braunschweiger Pokal gegen die Freien Turner. Das ganze Heckmeck zu beschreiben, würde Seiten füllen. Für die Nicht-Insider hier ein paar Sätze dazu. Vor der Saison wechselte der Sponsor des FC Türk Gücü Helmstedt, Ahmet Inan, zu Vahdet. Er hatte keinen Bock mehr auf die Helmstedter und ließ sie im Stich. Folge war der Rückzug aus der Bezirksliga (vgl. https://www.cookiehoppt.com/post/fc-chaos-helmstedt). Die Kohle des Autohändlers (Autohaus Niedersachsen) floss also nun nach Braunschweig. Ziele wurden recht großspurig formuliert, wie "Aufstieg in die Oberliga Niedersachsen" oder "Wir wollen hinter Eintracht die Nummer 2 in Braunschweig werden". Inan sah in Vahdet einen "Schlafenden Riesen". Im Laufe der Saison merkte man aber "Große Klappe, nichts dahinter", denn Vahdet rutschte immer tiefer in den Keller und steht inzwischen auf einem Abstiegsplatz. Trainer und Vereinsikone Fatih Özmezarci kündigte zum Saisonende sein Ende an. Der Nachfolger Semi Boog hatte erstmal nichts Besseres zu tun, als seinen Vorgänger zu kritisieren und hielt den möglichen Abstieg auch für nicht so schlimm. Das ging Fatih so auf den Zwirn, dass er vorige Woche die Brocken mit sofortiger Wirkung hinwarf. Semi war perplex und behauptete, dass er doch Garnichts Böses wollte. Schon zu übernehmen, hatte er aber auch keinen Bock. So ist nun erstmalig Co-Trainer Ciftci verantwortlich. Baki Kaya, übrigens ein Kumpel von Inan, versuchte das Chaos recht erfolglos zu managen. Ist es nicht geil, dass "Vahdet" aus dem arabischen übersetzt "Einheit" heißt. Wie Namen lügen können!

Lieber komme ich nun zum ganzen Gegenteil. Und das heißt "VfB Fallersleben“. Der älteste (gegründet 1861) und größte (über 6.000 Mitglieder) Verein Wolfsburgs ist grundsolide und seriös. Sage und schreibe 25 Sparten locken die Menschen des Wolfsburger Ortsteil an. Intention ist ganz klar der Breitensport. Spitzensport ist hier nicht im Fokus. Und was passiert, sie feiern trotzdem herausragende Erfolge in ihren Exotensportarten: Weltmeisterin im Rhönradfahren und Deutsche Meister im Tamburella. Hab' ich noch nie von gehört und muss noch nachgucken, was das eigentlich Spannendes ist. 

Gegensätzlicher können zwei Vereine kaum sein, oder? 


Ground

Die Sportanlage ist ursprünglich das Zu Hause des "SV Olympia '92 Braunschweig" und des „Tura Braunschweig“. Seit geraumer Zeit auch zusätzlich die des heutigen Gastgebers. Es ist eine sehr großflächige Sportanlage, die leider durch die vielbefahrene Straße "Bienroder Weg" getrennt wird. Sie beherbergt zum Beispiel Minigolf-, Tennis-, Petanque- und Beachvolleyballplätze. Und natürlich 3 Fußballplätze, davon einer aus Kunstrasen, auf dem heute gespielt wird. Geht man zwischen den Funktionsgebäuden auf der Fußballseite entlang, liegt linker Hand eine Grillstation. Vor dem Spiel gab es noch nichts. Auf meine Frage hin "Was es denn heute hier schönes geben wird", reagierte man irgendwie erstaunt und quälte sich ein "Hot-Dogs" heraus. Und genauso wirkt die ganze Anlage auf mich, ziemlich herzlos. Aber das ist ja natürlich immer subjektiv geprägt. Ebenso Geschmackssache ist die dröhnende arabische Mucke vor Spielbeginn. Zumindest hat der Autohändler sich hier gut verwirklicht, denn ungefähr 20 bis 30 mal leuchtet hier der Schriftzug "INAN - Auto Zentrum". Die Frage ist nur, wie lange Inan noch Bock hat und er hier leuchtet ...


Spiel

Klarer Favorit war für mich war der VfB Fallersleben, der einen guten Lauf mit drei ungeschlagenen Spielen hatte. Nur irgendwie scheinen sie mit Sponsoren nicht so gut bestückt zu sein. Denn solche Trikots, wie sie heute trugen, habe ich selbst in der 3. Kreisklasse noch nicht gesehen. Total verwaschene und schlabberige graue Lappen trugen die Gäste. Rückennummern gabs auch nicht. Ich vermute, dass der Verein eine Partnerschaft mit einem Club aus dem Kaukasus pflegt und dieser ihnen die Trikots gespendet hat. Aber dafür war ihr Spiel umso besser. Nach ausgeglichenem, wie von beiden Mannschaften flottem Beginn, übernahm der Gast das Heft des Handelns. In der 24. Minute fiel das 0:1 und dann war es ein anderes Spiel. Vahdet zeigte Verfallserscheinungen und deckte sehr, sehr luftig. Bis zur Pause fielen noch drei weitere Treffer zum 0:4. Es hätte aber auch locker 0:6 stehen können oder gar müssen. Mir schwante Böses. Und dann wieder ein neues Spiel mit Beginn der Halbzeit zwei. Was ist denn heute hier los? Vahdet dreht auf und verkürzte zum 2:4. Sie können es also doch noch. Aber dann ebbte die Spielfreude langsam wieder ab und spätestens das 2:5 war natürlich der ko. So wechselhaft das Spiel war, so war auch die Energie der Gastgeber. 45 Minuten lang emotionslos. Dann aber, als es lief, puschten der neue Trainer und auch ihr Leader und Ex-Profi, Justin Eilers, auf einmal die Mannschaft. Als das dritte Tor nicht fallen wollte, wurden sie wieder stumm. Man müsste ihnen nochmal erklären, dass es eigentlich genau andersherum gemacht werden sollte. 

Nun liegen 7 Punkte zwischen beiden Teams und Fallersleben müsste eigentlich gerettet sein. Vahdet hingegen muss ganz schnell ein anders Gesicht zeigen, um drin zu bleiben.


Stimmung

Ziemlich "Tote Hose" war's. Bescheidene 85 Zuschauer kamen und hielten sich vornehm zurück. Bis auf drei Prolls von Vahdet, die 90 Minuten lang den guten Schiri bepöbelten. Und auf der anderen Seite neben mir standen zwei Schiris, die sich 45 Minuten lang beweihräucherten, wie toll sie am Wochenende gepfiffen haben und wie oft sie Spielern die Regeln erklären mussten. In der zweiten Halbzeit flüchtete ich vor Prolls und tollen Hechten. Ich stand nun zwischen dem Filmer für die Live-Übertragung der Braunschweiger Zeitung und zwei jungen Damen. Das war schon deutlich netter. Dass die Damen auch was können, bewiesen sie in dem sie mehrfach laut "Da ist ein Hund" brüllten, als ein Pluto auf dem Platz spielen wollte. Aber ihr merkt schon, auch stimmungsmäßig schläft der Riese noch. 


Fazit

Meine Vorbereitung auf das Spiel war dieses Mal deutlich kürzer als sonst. Ich wollte wie immer recherchieren und war baff, als ich merkte, dass Vahdet keine Homepage hat. Das habe ich selbst bei einem Kreisklassenclubs noch nicht erlebt. Was sind die Botschaften daraus? Haben keinen Bock auf Präsenz? Unsere Fans sind uns gleichgültig? Macht nur Arbeit? Das können wir nicht? Der Riese schläft jedenfalls noch sehr tief!


Fotos


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