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Kunst an der Radau

  • Autorenbild: Cookie
    Cookie
  • 14. Mai
  • 5 Min. Lesezeit

Fakten

Stadion

Radaustadion



Ort

Vienenburg



Kapazität

1.500



Datum

13.05..2026



Spiel (Tabellenplatz vor Spiel)

FG 16 Vienenburg/Wiedelah (6.) - KSV Vahdet Salzgitter (13.)



Ergebnis

1 : 4



Zuschauer

130



Liga

Bezirksliga Braunschweig 3



Ebene*

7



Liga (vollständig) - Besuchte / Gesamt

11 / 16



Ground - alt / Anzahl Besuche

nein



Ground - neu / Anzahl Grounds

ja / 179



Spiel in 2026 / Gesamt**

23 / 340



*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen

** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt


Vorspiel 

Heute sollte alles zusammenkommen: Ein Spiel, bei dem es um was geht. Ein neuer Ground. Und ein touristisches Highlight. Nur eines nicht: Das Wetter. 5 Grad bei gefühlten 0 Grad mit Regen satt ab der 45. Minute.

Vienenburg ist ein beschaulicher Ortsteil von Goslar. Und liegt, wie der bekanntere Staffelkonkurrent, auch am Harzrand. Und da ich am Mittwochnachmittag genügend Zeit hatte, fuhr ich vorab mit meinem Zoe zum Bahnhof. Und nein, es ist nicht so, dass ich Entzug von der DB bekommen habe. Aber das Bahnhofsgebäude ist ein „Must“ für alle Bahnfans. Es ist nämlich das älteste noch in Betrieb befindliche seiner Art. Hat sogar ein kleines Museum, welches aber nur einen Tag im Monat aufhat und das war nicht heute. Das das ehrwürdige Teil unter Denkmalschutz steht ist selbstredend. 

Der Gastgeber ist die FG 16 Vienenburg/Wiedelah. Wen ihr ihn nochmal sehen wollt, müsst ihr euch beeilen. Denn es gibt ihn bald nicht mehr, zumindest nicht unter diesem Namen. Da einer der beiden Ursprungsvereine, der FC Wiedelah aufgelöst wird, fliegt er auch aus dem Namen. Zukünftig lesen wir nun weniger sperrig nur noch „FG 16 Vienenburg“. Als es das absolute Highlight der Vereinsgeschichte gab, da hieß der Club noch SV Vienenburg. Kurz nach dem 2. Weltkrieg spielten er gegen den Nachbarn, den TSV Goslar vor hammermäßigen 9.000 Zuschauern um die Bezirksmeisterschaft. 

Das heutige Spiel ist aus zweierlei Hinsicht brisant. erstens kämpft der Gast, der KSV Vahdet Salzgitter noch um den Klassenerhalt in der Bezirksliga. Es läuft gerade nicht rund bei Vahdet. Sie liegen vor dem heutigen Nachholspiel nur wegen des besseren Torverhältnisses nicht auf einem Abstiegsplatz. Es muss also heute mindestens ein Punkt kommen. 

Und zweitens hat das Spiel eine äußerst delikate Vorgeschichte. September 2025 fand es nämlich schonmal statt. Es stand 1:1 und es lief bereits die 95+1. Minute der Nachspielzeit. Plötzlich kam es nach einer Fehlentscheidung des Schiris zu einer Rote-Kartenflut und zu Tumulten mit Rudelbildung. Der Schiri brach das Spiel kurzerhand ab. Erst sollten beide Teams mit 0 Punkten bestraft werden. Aber da der Schiri erheblichen Anteil an dem Fiasko hatte, sollte das Spiel wiederholt werden. Ich war schon auch etwas gespannt, ob die Akteure heute lieb zueinander sind. 


Ground

Radaustadion, so heißt der heutige neue Ground also. Nur die Einheimischen werden den Namen herleiten können. Aber wozu habt ihr denn Cookie? Die Radau ist ein nur 21 Kilometer langes Flüsschen, was im nahen Harz entspringt. Aber immerhin hat es sogar einen Wasserfall. Ob da der Begriff "Radau machen" herkommt? Von der Radau kommt ihr übrigens über Oker, Aller und Weser direkt in die Nordsee. 

Eingeweiht wurde das Radaustadion 1947. Zu Gast war dazu tatsächlich Schalke 04 mit Legenden, wie Ernst Kuzorra und Fritz Szepan.

Der Ground liegt selbstredend an seinem Namensgeber. Für 'nen Parkplatz war wohl kein Platz hier. Dafür kommst du erstmal an seinem großzügigen Vereinsheim entlang. Es spricht für seine Qualität, dass mehrere Tische gut besetzt waren. Dann peilte ich erstmal bei der obligatorischen Fotorunde die Lage. Der Rasenplatz war von Grün und einer Scheune eingerahmt, ländlich idyllisch. Hinter der Scheune blickst du zu Häusern und einem Kirchturm an einem Hang liegend hinauf. Das hat schon was. Da hier alles ganz schön eng ist,  gibt es hier auch nur einen Platz und der war heute richtig tief vom Dauerregen der letzten Tage. Die FG hat extra nicht drauf trainiert, dass das Spiel auch stattfinden kann. Neben dem Vereinsheim gibt es zusätzlich eine Wurst- und Getränkebude mit dem Üblichen, was gut aussah. Das Flutlicht ist dagegen äußerst kümmerlich. Es besteht aus zwei Masten, in der Mitte und hat Taschenlampenstärke. Aber die Kohle für eine neue Flutlichtanlage ist schon bewilligt. Auch eine elektronische Anzeigetafel und ein Stadionsprecher gehören hier dazu. Und es gibt reichlich Sitzplätze, die kunterbunt zusammengewürfelt sind, hier ein paar Bänke, da ein paar Stühle. Das macht schon alles was her hier. 

Der absolute Star des Grounds liegt an der Seite zum Ort hin. Es ist eine Scheunenwand! Sie wurde lange Zeit als Werbewand genutzt. Aber dann 2024 kreativ umgestaltet. Nachdem die Kohle dafür zusammengesammelt wurde, konnte es losgehen. Graffiti-Künstler tobten sich aus und bildeten das Vereinswappen und diverse Wahrzeichen Vienenburgs darauf ab. Sieht echt cool aus. Diese tolle Idee spricht dafür, dass hier keine Harzer Hinterwäldler am Werk sind. 


Spiel

Das Spiel ging gleich gut los. 7 Minuten waren gespielt und schon jubelte der Außenseiter frenetisch über das 0:1. Es keimte Hoffnung auf: Sollte heute der große Wurf zum Klassenerhalt gelingen? Und weiter dominierte Vahdet. Es schien so, dass sie wesentlich leichtfüßiger sind. Insbesondere ihre Nummer 69 bekam die FG überhaupt nicht in den Griff. Der Mann mit dem wohlklingenden Namen "Claude Serge Ifeyileba Berthier" brachte den Gegner schier zur Verzweiflung. Namenstechnisch kann auch ihr Torschütze zur Führung mithalten: "Ivan Richir Tchani Fongang". Sei es dem Stadionsprecher verziehen, dass er nur die Kurzvariante nannte. Folgerichtig fiel jedenfalls auch noch das 0:2 vor der Pause. Und in der zweiten Halbzeit? Alles ging weiter so. Was war nur mit den Vorharzern los? Sie wirkten ausgelaugt und auch weiter chancenlos. Immerhin gelang ihnen noch der Ehrentreffer zum 1:4. Und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn sich das die Salzgitteraner noch nehmen lassen. Aber ich gratuliere lieber noch nicht!


Stimmung

130 Zuschauer sind für einen Mittwochabend schon ein Statement! Zudem es für die Heimelf nur um die "Goldene Ananas" ging. Aber der folgende Vatertag spielte vielleicht auch eine positive Rolle. Begleitende Gesänge, Schals, Trikots oder Fahnen suchte ich allerdings vergeblich. Sicherheitshalber sprach der Stadionsprecher nochmal das Fiasko-Spiel an. Er wünscht sich, dass heute alles friedlich und sportlich über die Bühne gehen möge. Und das ging es glücklicherweise auch. Sowohl auf als auch neben dem Platz war alles fair und angenehm. Ich hatte bei einigen Szenen sogar den Eindruck, dass die Spieler sich besonders viel Mühe gaben und dem Gegner auf die Beine halfen etc. So muss das sein, eigentlich immer! Pünktlich zur Pause fing es wie wild an zu schiffen. Jeder suchte sich eines der raren überdachten Plätzchen. Ich wurde auf einer Bank unter einem Party-/Zeltdach fündig. Ich konnte zwar nicht mehr viel sehen aber saß dafür trocken. Die Zuschauer wunderten sich auf jeden Fall sehr, dass der so spielstarke Gegner so tief unten drinsteht. Irgendwann leerte sich das Stadion dann langsam aus Gründen der Hoffnungslosigkeit und ich konnte wieder was sehen. Und beim Ehrentreffer wurde sogar mit Sprechchören "Einer geht noch, einer geht noch rein" gefeiert. Oder machte man sich nur schon für den folgenden Vatertag warm?


Fazit

Ich bin heute in ganz besonderem Maße beruhigt. Ich war in diesem Jahr schon zweimal bei Vahdet und zweimal gab es eine Pleite. Dabei fühle ich mich bei ihnen sehr wohl. Man lese dazu auch gerne hier nach, weshalb: https://www.cookiehoppt.com/post/große-herzlichkeit-in-salzghetto . Vor dem Spiel wurde ich von ihnen sehr nett begrüßt. Allerdings warnten sie  mich auch: Wenn wir heute wieder mit dir verlieren, dann bekommst du ein Platzverbot von uns! Seine Verabschiedung war dann: Wir sehen uns Sonntag - ein Glück!


Fotos


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