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Sherringtons Erben

  • Autorenbild: Cookie
    Cookie
  • 8. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Fakten

Stadion

Sportplat Groß Oesingen



Ort

Groß Oesingen



Kapazität

1.000



Datum

07.06..2026



Spiel (Tabellenplatz vor Spiel)

SV Groß Oesingen (4.) - SV Westerbeck (2.)



Ergebnis

1 : 3



Zuschauer

120



Liga

Kreisliga Gifhorn



Ebene*

8



Liga (vollständig) - Besuchte / Gesamt

4 / 15



Ground - alt / Anzahl Besuche

nein



Ground - neu / Anzahl Grounds

ja / 182



Spiel in 2026 / Gesamt**

30 / 347



*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen

** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt



Vorspiel 

Erstmal forstete ich alle Ligen im Braunschweiger Umfeld durch, um Spiele zu finden, in denen es um Auf- oder Abstieg geht. Zu meiner Überraschung war aber schon fast überall alles geklärt. In der Kreisliga Gifhorn wurde ich dann fündig: Hier ging es noch zwischen dem Spitzenreiter VfL Knesebeck und dem Verfolger SV Westerbeck um die berühmte Wurst. Knesebeck war spielfrei und der SV Westerbeck musste beim SV Groß Oesingen gewinnen, um vor dem letzten Spieltag auf der Poolposition zu sein. Knesebeck, da war doch im letzten Jahr schon das Grauen zu Gast (siehe dazu: https://www.cookiehoppt.com/post/es-sind-so-arme-säcke). Sollten sie denn schon wieder so knapp scheitern? Für den SV Westerbeck würde dagegen mit dem Aufstieg ein Fußballmärchen wahr werden. Totte Lieberknecht würde hier wohl von einem kleinen Pissverein reden. Der Verein der 2.400-Seelengemeinde wurde spät gegründet (unklar, ob 1931 oder 1946). Erst gab es mangels Kickern nur eine Spielgemeinschaft. 1958 musste der Spielbetrieb eingestellt werden. 1960 zogen zwei Mitglieder durchs Dorf, um Fußballer anzuwerben, mit Erfolg. Über den Kreisfußball hinaus sind sie jedoch nie gekommen. Geht das Jahr 2026 in ihre Annalen ein?

Bereits in die Annalen des Dörfchens ist der Gasthof Neuhaus eingegangen. Dieser ist hier seit 1838(!) Kult (heute als "Tiroler Gasthof"). Im November 1963 sorgte hier der damalige deutsche Verteidigungsminister, Franz-Josef Strauß, für einen Politskandal. Der Spiegel deckte ihn auf und nannte die Story "Bum-Bum". Der "Stier von Marktschwaben" hatte nämlich hier seinen Jagdschein "erworben" und "Bum-Bum" sollte fürs Ballern stehen. Die üblichen Protokolle über richtige Antworten gab es nicht. Für den Spiegel war klar, dass hier Betrug und Bestechung vorgelegen haben müssen Ich hoffe, dass er wenigstens seine Zeche im Gasthof Neuhaus bezahlt hat, denn dort hatte er die Prüfer danach zum Umtrunk eingeladen.

Nun zum SV Groß Oesingen. Dieser Club hat schon Glanz und Gloria erlebt. Und ich war mittendrin. Ende der Siebzigerjahre kickte der SV Groß Oesingen sehr erfolgreich in der Bezirksklasse. Ihr Star war der Engländer Leslie Sherrington. Zu dieser Zeit spielte ich in der selben Klasse beim MTV Braunschweig. Sherrington war der überragende Spielmacher, ich der rustikale Abräumer. Und ich erlebte die Sternstunde meiner kurzen Karriere und stellte den Star der Liga kalt. Das frustrierte ihn so sehr, dass er mir seinen Ellenbogen ins Gesicht rammte. Mein Bruder und meine Eltern waren unter den Zuschauern. Als ich von Sherrington niedergestreckt wurde, wollte meine Mutter den Platz stürmen und es ihm heimzahlen. Aber mein Vater konnte sie gerade noch bremsen. An Groß Oesingens Sieg und ihrem Aufstieg in die Bezirksliga 1981 änderte das allerdings nichts.


Ground

Der Sportplatz liegt sehr idyllisch am Ortsende und am Waldrand. Zwei Rasenplätze sind hier und ein paar Tennisplätze. Ein Vereinsheim mit Sonnenterrasse lädt zur Geselligkeit ein und wurde nach dem Spiel auch kräftig genutzt von den feierfreudigen Groß Oesingern. Rustikalen Charme rufen auch einige knorrige Holzbänke hervor. Richtig vom Feinsten ist auch die kleine Imbissbude Neben der üblichen Auswahl an Getränken gibt es eine erstaunliche Breite an Fressalien. Über Bratwurst und Pommes hinaus werden hier richtig lecker aussehende Burger, Hot Dogs und Ähnliches gebrutzelt. Kein Wunder, dass ein großer Andrang die beiden Betreiber ins Schwitzen brachte. Ich gebe ihnen sehr gerne die Note 1!


Spiel

In Halbzeit eins gab es lange Zeit nur Mittelfeldgeplänkel, fast ohne Torraumszenen. Und dann fiel doch noch kurz vor der Pause das 0:1. Ich machte mir gerade Notizen und bekam es nicht mit. In Halbzeit zwei wurde das Spiel deutlich besser. Das lag am aufstiegswilligen Gast, der nun drückte und auch Chancen herausarbeitete Aber erstmal fiel der überraschende Ausgleich. Ich kann nichts dazu sagen, da ich noch in der Pommes-Schlange am Note-1-Imbiss stand. Auch die verdiente 2:1-Führung von Westerbeck bekam ich nicht mit, da ich mich mit meiner Kamera beschäftigte. Und dann kam mein persönliches Highlight des Tages, das 1:3, denn das verpennte ich nicht: What a Dream! Somit hat es der SV Westerbeck am letzten Spieltag mit einem Sieg in der eigenen Hand. Für die Unglücksraben aus Knesebeck wartet wohl wieder nur die Aufstiegsrelegation.


Stimmung

Es besuchten 120 Zuschauer das bedeutsame Spiel. Das finde ich gut und angemessen. Allerdings war es erstaunlich, dass gut 100 von ihnen aus Groß Oesingen kamen. Für ein Spiel um die Goldene Ananas in der Kreisliga ist das sehr beachtlich und spricht für die Fußballbegeisterung im Ort. Im Gegensatz dazu entsprechend dürftig, die paar Hanseln aus Westerbeck. Und das bei solch einem Spiel. Mich würde mal interessieren, ob beim großen Showdown in der kommenden Woche mehr Fans da sind. Auf jeden Fall lästerten die Heimfans über den dürftigen Support der Gäste ordentlich ab. Immerhin feierten die paar Mann ihre Mannschaft danach mit "Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey" noch. Und die Mannschaft killte die erste Kiste Bier bereits sofort nach dem Spiel auf der Terrasse!


Fazit

Bevor wir uns auf die 50 Kilometer nach Hause machen konnten, erlebten wir noch eine Überraschung. Vor unserer Zoe hatte sich jemand quer davor gestellt. Tolle Knolle! Uschi wartete auf den Fahrer und ich machte mich zurück zum Platz auf die Fahrersuche. Das hat Spaß gemacht, dort doof herumzulaufen und alle zu fragen, wem ein roter Hyundai gehört. Dann half mir liebenswerterweise ein Mädel, das die Fahrerin kannte. Ich watschte sie ordentlich ab und dann konnte es nach Hause gehen.


Fotos


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