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Lehndorfer TSV auf dem Vormarsch

  • Autorenbild: Cookie
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  • 29. Mai
  • 5 Min. Lesezeit

Fakten

Stadion

Sportanlage Blitzeichenweg



Ort

Braunschweig



Kapazität

1.000



Datum

29.05..2026



Spiel (Tabellenplatz vor Spiel)

Lehndorfer TSV (1.) - FC Heeseberg (6.)



Ergebnis

2 : 0



Zuschauer

200



Liga

Bezirksliga Braunschweig 2



Ebene*

7



Liga (vollständig) - Besuchte / Gesamt

15 / 15



Ground - alt / Anzahl Besuche

ja / 8



Ground - neu / Anzahl Grounds

nein / 180



Spiel in 2026 / Gesamt**

28 / 345



*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen

** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt


Vorspiel 

Wir sind am Freitagabend nach Lehndorf, um eines zu erleben: grenzenlosen Jubel!

Dazu musste der Lehndorfer TSV nur eines tun: gewinnen! 5 Punkte und 17 Tore Vorsprung vor dem TSV Wendezelle bei noch 2 Spielen. Das riecht so streng nach Landesliga wie ein altgewordener Ziegenkäse. Zudem lockte mich ihr Goalgetter Ole Herzig mit Bier und Wurst an den Blitzeichenweg. Mehr geht doch wohl nicht!

Zudem Uschi und ich schon wirklich recht lange Lehndorf-Fans sind. Das kommt aus der Zeit, als Marius Homann (2020–2023) dort kickte und uns begeisterte. Zusammen mit Ole Herzig bildete er ein kongeniales Stürmerduo. Nach 55 Toren in zwei Jahren wechselte Homann erst zu Lupo Martini Wolfsburg und von da zu Eintracht 2. In Wolfsburg lief es gut, aber bei Eintracht folgten dann zwei Kreuzbandrisse. Und er wechselte Anfang der Saison zurück nach Lehndorf. Leider ist er immer noch in der Regenerationsphase. 2 Kreuzbandrisse, das mussten glücklicherweise erst sehr wenige ertragen. Wer es nicht weiß: Ausfallzeit ist 9–12 Monate. Lena Oberdorf, die Nationalspielerin des FC Bayern München, ist gerade genauso eine arme Sau wie er. Umso wahnsinniger, wie die Blau-Weißen bisher trotzdem in dieser Saison auftrumpften. Und Knipser haben sie auch noch genügend: Beith (22), Höhl (20) und Herzig (17). Stell dir mal vor, Homann ist fit und ballert wieder mit … Aber ganz sicher scheint es nicht zu sein, dass er weiter Fußball spielt.

Der Lehndorf TSV wurde übrigens 1893 gegründet und ist damit einer der Braunschweiger Traditionsvereine. Im Gegensatz zum Gast aus Heeseberg. Denn die haben kaum den Babyspeck abgelegt. 2015 fusionierten 6 Vereine der Gemeinde Heeseberg zum FC Heeseberg. Die Samtgemeinde liegt südlich des Elms an der ehemaligen Zonengrenze. Und mit 3.500 Einwohnern insgesamt und sogar sinkender Tendenz wären die Vereine alleine allesamt knattern gegangen. Von daher ist es eine sehr gelungene Initiative gewesen, zu fusionieren. So hat der neue Verein nun 6 Grounds, die sehr dicht beieinander liegen. Saisonweise rotierend werden hier die Spiele auf allen Plätzen ausgetragen. Coole Nummer! Und ganz nebenbei sind sie auch sehr erfolgreich. Seit 2016 schafften sie es immer unter die ersten 7! Wer weiß, ob sie irgendwann nicht sogar den Aufstieg in die Landesliga schaffen.


Ground

Sportanlage Blitzeichenweg. Jedes Mal denke ich, wann mögen hier die Blitze eingeschlagen haben, die die Eichen plattgemacht haben. Es sind ja auch keine mehr da. Cookies Recherche hatte dann aber zum Ergebnis, dass der Name aus "Blit" und "Zeichen" besteht. Und dass es damals hier um Feldmarkierungen ging, die es hier gegeben haben muss Guck einer an. Die Anlage besteht aus drei Plätzen und liegt schön ab vom Schuss. Da könnte man also nach einem Aufstieg richtig Gas geben, ohne dass Nachbarn die Freunde und Helfer anrufen. Traurige Berühmtheit gewann die Anlage, als ein Feuerteufel Kabinen, Gaststätte etc. abfackelte. Es dauerte ewig, also etliche Jahre, bis endlich alles wieder hergerichtet war. Der Verein durchlitt eine Leidenszeit und stieg damals auch aus der Landesliga ab. Selbst die sowieso schon primitiven Umkleidecontainer schimmelten und wurden dann abgebaut, bevor das Neue da war. Es mussten damals sogar deshalb Spiele im Nachbarort Watenbüttel ausgetragen werden, wohin kaum Zuschauer kamen. Es grenzt an ein Wunder, dass der Verein daran nicht zugrunde gegangen ist.

Wie schön ist es, wenn man nun auf die Anlage kommt. Ein schickes Vereinsheim, neue Sanitärräume etc. sind da. Und für heute hatte man sich richtig rausgeputzt. Die Gaststätte beherbergte VIPs, an einer anderen Stelle stand eine eingezäunte Tafel, an der Sponsoren verhätschelt wurden und salbungsvolle Worte fielen. Dazwischen für die Normalos kühle Getränke und ein Grillstand mit ein paar Stehtischen. Das hatte schon was von uriger Jahrmarktatmosphäre. Ich erwähne es nur am Rande, dass das mit dem Bratwurstgrillen nochmal etwas geübt werden sollte. Somit fiel unser Abendessen aus. Auch Pommes als Ergänzung hätten was gehabt, aber das war wohl auch verständlicherweise alles zu viel an Action für das Personal am heutigen Tag. Aber alle waren freundlich und bemüht und das ist ja das Wichtigste.


Spiel

Es knisterte beim Heimteam. Man stelle sich mal vor, es wird solch ein Aufriss gemacht, in der Hoffnung, dass heute aufgestiegen wird, und dann … Lehndorf wirkte hochkonzentriert, aber auch genauso verkrampft. Mir schien, dass es keiner verkacken wollte, indem er einen spielentscheidenden Fehler machte. Würde mir genauso gehen. Heeseberg spielt munter drauflos und genoss offensichtlich das heutige Flair. Gleich zu Beginn musste Lehndorf auf der Torlinie retten, was auch nicht zur Entspannung beitrug. Dann kam die 40. Minute. Herzig setzte im 16er nach und nahm einem Heeseberger nahe der Torauslinie den Ball ab. Und dann würgte er die Pille in einem beispiellosen Akt des Willens irgendwie ins lange Eck über die Torlinie. Vielleicht würde er das Tor etwas wohlwollender beschreiben, aber scheißegal, der Blitzeichenweg bebte. Wer nun dachte, der TSV entspannt und spielt das Ding locker runter, der täuschte sich. Die Anspannung blieb weiter erkennbar. Erst nach dem 2:0, 11 Minuten vor Schluss, wurde es besser. Herzig versuchte es an der eigenen Eckfahne sogar brasilianisch und dann war es endlich geschafft: SIEG UND AUFSTIEG!


Stimmung

Ungefähr 200 Zuschauer stellten einen würdigen Rahmen für den Showdown dar. Rund 40 Heeseberger kamen die recht weite Strecke ebenfalls angereist und gingen auch emotional gut mit. Am Spielfeldrand hatten sich viele blau-weiß geschmückt. Und ich bekam sogar von Ulli Braunschweig, einer anderen Hopperin, einen Lehndorf-Schal geschenkt. Auch Edel-Hopper Kivi und andere ließen sich das Event nicht nehmen. Was willst du auch sonst Freitagabend machen?

Und nach Abpfiff dann eben das, worauf wir uns heute auch hauptsächlich gefreut haben: den orgiastischen Aufstiegs-Jubel! "Nie mehr Bezirksliga" und "Double-Sieger, Double-Sieger, hey, hey" wurde in den Abendhimmel gekrächzt. Sie tanzen genauso schlecht, aber voller Enthusiasmus, wie sie singen, aber das macht es gerade erst wunderbar! Und Hauptsache, sie können kicken.

Kurz vor Ende fing es richtig an zu regnen. Das nahmen wohl viele Weicheier zum Anlass, schon vor dem Abpfiff zu gehen. Finde ich überhaupt und erst recht an solch einem Tag ziemlich panne. Hat aber die Aufsteiger glücklicherweise null gestört!

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!


Fazit

Lehndorf ist ein eher kleiner Verein mit großer Tradition. Man spürt, dass hier viel Liebe im Verein steckt. Das Überstehen von Corona samt Feuerdesaster, beweist das. Und nun las ich mit Erstaunen und dann mit wachsender Anerkennung, dass der Club eine professionelle Struktur mit einem festangestellten Geschäftsführer installiert hat. Die Gedanken, die dahinterstecken, sind logisch und nachvollziehbar, aber zugleich ziemlich einzigartig bei einem Verein dieser Größe. Ich drücke Laurenz Hasselbach beide Daumen, dass das Ganze aufgeht. Denn erstmal muss er sich ja selbst finanzieren, um dann den Verein weiterzuentwickeln. Und es geht ja schon mal beeindruckend los. So fuhr die Frauenmannschaft vor Kurzem nach Südafrika in eine Braunschweiger Partnerregion. Interkultureller Austausch stand dabei im Vordergrund. Sowas organisierst du eben nicht mal nebenbei. Auch wenn ich gerade an diesem heutigen Tag sehe, wie professionell Sponsoren und VIPs betreut und hofiert werden. Genauso muss es gehen, wenn du Gelder generieren willst. Mit Rundbriefen nach dem Motto "Wer kann uns bitte Geld geben?" reißt du in Zeiten knapper Kassen eben nichts mehr.

Der Lehndorfer TSV ist mutig auf dem Vormarsch. Und das sportlich wie strukturell. Ich werde euren Weg mit Interesse weiterverfolgen!



Fotos


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