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„Mann, ist das ein Lümmel"

  • Autorenbild: Cookie
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  • 21. Apr.
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Apr.


Fakten

Stadion

Sportplatz am Hagen (Ahrensburg)



Ort

Ahrensburg



Kapazität

1.000



Datum

19.04..2026



Spiel (Tabellenplatz vor Spiel)

SSC Hagen Ahrensburg (7.) - FC Dornbreite Lübeck (8.)



Ergebnis

5 : 0



Zuschauer

67



Liga

Landesliga Holstein



Ebene*

6



Liga (vollständig) - Besuchte / Gesamt

1 / 16



Ground - alt / Anzahl Besuche

nein



Ground - neu / Anzahl Grounds

ja / 174



Spiel in 2026 / Gesamt**

16 / 333



*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen

** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt


Vorspiel 

Unser norddeutsches Wochenende findet heute in Ahrensburg seinen Abschluss. Nach dem Kick am Freitag beim SC Condor, gab es am Samstagnachmittag Schnapsverkostung bei Lühmann in Siek. Danach gings zu Barkis HSV gegen Werder gucken und Barki trösten. Und nun noch ein Spiel der Landesliga Holstein besuchen. Wir fuhren die kurze Strecke durch eine schöne Gegend. Barki erklärte uns, als wir durch Ahrensfelde fuhren, dass hier bis vor kurzem noch mehr Pferde als Menschen wohnten. Sah man auch, denn überall waren Pferdehöfe und -äppel. Es wirkt alles sehr idyllisch hier, in einem der schönsten Naherholungsgebiete vor den Toren Hamburgs. Ahrensburg hat immerhin 35 Tsd. Einwohner. Hier drehte sich schon immer viel um Alkohol. Der Mann, der das Schloss im Barockstil umbauen ließ, Schimmelmann, verdiente seine viele Kohle mit Alkohol- und Sklavenhandel. Und in die städtischen Annalen fand Eingang, dass am Tag vor der Kapitulation im 2. Weltkrieg der Ortsgruppenleiter volltrunken in Ahrensburg herumgelaufen ist und grölend zum Durchhalten aufgerufen hat. Wir lagen also mit unserer Sieker Schnapsverkostung voll auf dem regionalen Kurs. 

Der "SSC Hagen Ahrensburg von 1947 e.V." ist nicht der größte ortsansässige Verein (das ist der Ahrensburger TSV; vgl. 17.4.26) aber er hat einiges zu bieten. Er ist schonmal im Fußball die Nummer 1 im Ort. Auch wenn der TSV ihm nie verzeihen wird, dass vor Jahren mal die komplette Mannschaft zum Rivalen abgewandert ist. Und der SSC spielt im Gegensatz zum Rivalen (Landesliga Hamburg) wenigstens auch in dem Bundesland, wo er hingehört, in der Landesliga Holstein. Der Club hat sage und schreibe 31 Fußball-Mannschaften. Das Aushängeschild ist die Damenmannschaft, die in die Regionalliga aufsteigen wird. Die 1.Herren spielte 2010 noch auf Kreisebene. Sie nahm einen rasanten Aufstieg und ist nun stabil in der Landesliga. Aber weit über die Stadtgrenzen hinaus ist der Club durch etwas anderes bekannt geworden. Und zwar durch den Lümmellauf, den der SSC seit 1978, meistens im Januar ausrichtet. Inzwischen hat der sich zu einem richtigen Großevent entwickelt. Regelmäßig wandern und laufen über 1.000 Leute durch den herrlichen Forst Hagen und das Ahrensburger Tunneltal. Zum Teil geht es über Holzstege durchs Moorgebiet. Aber warum heißt denn der Lauf so komisch? Erstmals 1983 lieferte der Hagener Schlachter Hanke Würste für jeden Teilnehmer. Das waren ganz schöne Ömmel. Als ein Typ aus dem Orgateam solch ein Teil sah, rief er nur fassungslos aus "Mann, das ist ja ein Lümmel". Als Vertreter der Abteilung Vegetarier kann ich tröstend mitteilen, dass es auch "Gelbe Lümmel" gibt, nämlich Bananen. 

Der Gast, der "FC Dornbreite Lübeck" ist noch jung und frisch (nur ein Jahr älter als ich) mit Baujahr 1958. In ihren Goldenen 70ern feierten sie drei Aufstiege. Von 2020 bis 2025 waren sie sogar in der Oberliga Schleswig-Holstein. Nun spielen sie aber wieder die zweite oder dritte Geige in Lübeck. 


Ground

Der Sportplatz am Hagen liegt idyllisch. Zwei Plätze, eine Weitsprunganlage und immerhin 6 Tennisplätze gibt es hier. Man kann sich gut vorstellen, dass es hier am Wochenende richtig rund geht bei 31 Mannschaften. So spielte auch gerade die Zweite als wir kamen und nach der Ersten gleich im Anschluss die A-Jugend. Es geht Naht an Naht und es muss sich immer schon parallel auf dem B-Platz warm gemacht werden, wenn da nicht auch gerade gespielt wird. Das ist natürlich wunderbar fürs Miteinander der Spieler und Fans. Auch hier gibt’s wieder Kunstrasen. Der scheint im Hamburger Raum deutlich populärer zu sein als in Braunschweig, wo fast ausschließlich auf Rasen gespielt wird, wenn es das Wetter zulässt. Die Anlage hat eine Anzeigetafel und auch eine Lautsprecheranlage. Hier wurde mit zweimal AC/DC schön eingeheizt. Nur zur Durchsage der Spielstände und zur Ansage der Spielerwechsel hatte der Stadionsprecher wohl keinen Bock. Wahrscheinlich war er am Vortag zu lange bei der Schnapsverkostung. Gleich hinterm Eingang gibt es das Lukullische mit ein paar Tischen und Bänken. Beeindruckt hat uns die große Flens-Getränkeauswahl vom Kiosk. Und auch der lecker aussehende selbstgebackene Kuchen hatte was. In der Pause gönnten wir uns Pommes und auch die waren knusprig lecker. Nur die berühmten Lümmel gab es leider nicht. Da sollte nochmal drüber nachgedacht werden. Auf jeden Fall waren alle vom Personal ausgesprochen zugewandt, humorvoll und freundlich. Wer in der Nähe wohnt und noch nicht da war, hin!


Spiel

Am Freitag erlebten wir ein 7:0. Das halb gesehen Vorspiel der Zweiten endete 8:0. Für unser drittes Spiel versprachen wir uns das erste Mal Spannung. Es spielte ja der 7. gegen den 8. Und (die Tabellenplätze täuschen) es geht für beide noch um den Klassenerhalt. Aber ihr wisst ja, wie das ist, mit der Theorie und der Praxis. Es ging erst ohne große Spielkultur hin und her. Die Entscheidung fiel dann bereits in Minute 24: Der Gästekeeper setzte zur Notbremse an. Folgen waren Elfer und Rote Karte. Das war besonders dämlich, da Dornbreite keinen Ersatztorwart dabeihatte. So musste ein Feldspieler in die Kiste. Der hatte natürlich nicht mal Torwartklamotten dabei. Er stieg in den durchgeschwitzten Sweater des anderen (lecker) und griff sich dessen Torwarthandschuhe (mindestens 3 Nummern zu groß). Der Elfer saß natürlich und das Unglück nahm seinen Lauf für Dornbreite. Bis zur Pause fiel nur noch das 2:0. Nach der Halbzeit erhöhte Hagen auf 5:0. Mit etwas mehr Konsequenz hätte es zweistellig werden können. Dornbreite stellte resigniert das Spiel ein. Und dass der arme Ersatzkeeper kein Torwart war, merkte man auch daran, dass er sich nie hinwarf. Somit auch im dritten Kick keine Spannung. Was soll's, schön war's trotzdem. 


Stimmung

Nach 63 Zuschauern in der Landesliga Hamburg am Freitag, waren es heute 67 Zuschauer. Also wieder kein Vergleich zu Braunschweig, denn da kommen schon in die Bezirksliga mehr Zuschauer. Komisch, vielleicht liegt das am größeren Sport-und Freizeitangebot Hamburgs. Auch Gästefans konnte ich wieder keine ausmachen. Es war also keine Fußballstimmung vorhanden. Dafür plauschte ich nett mit zwei Edelfans, dem Kassierer und dem Vater des Spielers, Rico Pohlmann (Torschütze zum 3:0). Sie beantworteten meine Fragen und erzählten mir einiges über den Verein, was ich immer sehr interessant finde. Zum Beispiel, dass der Verein den Spielern nichts zahlt, weil sie nicht in eine Abhängigkeit von einem Großsponsor kommen wollen. Sie sind sehr zufrieden mit der Landesliga und wollen jedes Jahr einfach drinbleiben. So sagten sie nach dem Dreier zufrieden "Noch ein Jahr Landesliga". 


Fazit

Vielleicht kennt ihr die Fernsehserie "Nord, Nord, Mord". Wir gucken die sehr gerne, nicht nur, weil sie hauptsächlich auf Sylt spielt. Und gerade wurde 5 Tage lang auf dem Sportplatz am Hagen gedreht. Der Vorsitzende des Vereins spielte sogar als Trainer der Damen mit. Es muss richtig cool für alle Beteiligten gewesen sein, mal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Der Arbeitstitel lautet "Sievers und die rote Karte". Hauptkommissar Carl (Sievers) steht privat an der Seitenlinie, als es einen Todesfall gibt, der sich als Mord herausstellt. Mehr wird nicht verraten. Voraussichtlich Januar/Februar 2027 wird gesendet. Ich bin schon gespannt drauf.


Fotos


1 Kommentar

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Carsten Schulz
21. Apr.
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Schöner Bericht. Gruß vom Kassierer vom SSC Hagen.

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