SC Condor: Handeln statt Labern
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- 20. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Apr.
Fakten
Stadion | Sportpark Oldenfelde | ||
Ort | Hamburg | ||
Kapazität | 2.500 | ||
Datum | 17.04..2026 | ||
Spiel (Tabellenplatz vor Spiel) | SC Condor Hamburg (4.) - Ahrensburger TSV (16.) | ||
Ergebnis | 7 : 0 | ||
Zuschauer | 63 | ||
Liga | Landesliga 2 Hamburg | ||
Ebene* | 6 | ||
Liga (vollständig) - Besuchte / Gesamt | 1 / 16 | ||
Ground - alt / Anzahl Besuche | nein | ||
Ground - neu / Anzahl Grounds | ja / 173 | ||
Spiel in 2026 / Gesamt** | 15 / 332 |
*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen
** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt
Vorspiel
Es ist vollbracht! Mit 2-jährigem Anlauf haben es Kristina und ich geschafft! Den gemeinsamen Besuch eines Spieles ihres Stadtteilclubs, dem SC Condor Hamburg. Gatte, David und Kumpel, Bernd sind auch dabei.
Der SC Condor liegt im Stadtteil Farmsen/Berne. Und ich kam vom Hauptbahnhof gut mit der U1 hin. Meine Uschi fuhr mit dem Auto nach Hamburg zu einer Freundin, aber da Kumpel Willi sagte, der Elbtunnel sei Freitag gesperrt, war mir das zu muffig und ich fuhr mit der Bahn. Ende vom Lied: Uschi war schneller da als ich, da der Elbtunnel erst ab 22 Uhr gesperrt war und die Bahn wie immer durch Verspätungen und verpasste Anschlusszüge glänzte. Einen Ortsrundgang der Farmsen Highlights konnte ich mir sparen, da es wohl auch eher keine gibt, außer dem Ground selbst natürlich.
Dagegen hat der "Sport Club Condor von 1956 e.V." einiges zu bieten. Er gilt als norddeutsch trotzig und als Club der Abtrünnigen. Als der alteingesessene Farmsener TV keinen Bock auf Fußball mehr hatte, machten sich die unzufriedenen Kicker vom Acker und gründeten den SC Condor. Heute liegen die Grounds beider Clubs gegenüber am Berner Heerweg. Der Name Condor stammt vom Vogel Kondor. Er sollte 1956 in Anlehnung an die üppige Vielfalt der Tierwelt für die angestrebte Vielfalt der Sportsparten im Verein stehen. Da hier nicht nur gelabert wird, zieht das der Verein konsequent bis ins neue Jahrtausend durch. Es werden fortwährend neue Sportarten aufgenommen und wenn es nicht läuft, genauso schnell wieder rausgekegelt. Beispiele gefällig? 2012 wurde die Basketball-Abteilung wieder aktiviert. Dann kam die Sparte Budjinkan Budo Taijutsu dazu, die aber nur eine Lebensdauer von zwei Jahren verzeichnete. Dafür wurde zum Beispiel Fit and Bounce neu eingerichtet. Es gibt noch ein weiteres Beispiel für das SC Condor-Prinzip "Handeln statt Labern". Der Verein war von 2010 bis 2024 Stützpunktverein des Programmes "Integration durch Sport". Tolle Projekte wie "Condor bewegt die Ukraine" und kreative Aktionen wie das Festival "Refugees Welcome", "Interkulturelle Kindertreffen", "Nationen Spendenläufe" und wirklich vieles mehr dokumentieren den sozialen Geist des Vereins.
Der Gast kommt, der "Ahrensburger Turn und Sportverein von 1874 e.V." kommt aus Schleswig-Holstein. Ahrensburg grenzt nordöstlich an Hamburg. Logo, dass er in der Landesliga Hamburg spielt. Ich konnte herausfinden, dass sich Clubs aus anderen Bundesländern für Hamburger Ligen bewerben dürfen. Der mit 4.000 Mitgliedern fünftgrößte Verein Schleswig-Holsteins verzichtet so zum Beispiel sogar auf das Ortsderby gegen "Hagen Ahrensburg", um in Hamburg spielen zu dürfen. Finde ich beknackt. Fußball fristet im Verein sowieso schon immer ein Schattendasein. Er ist von Misserfolgen und Auflösungen geprägt. So wechselte einmal sogar die komplette Mannschaft zum Stadtrivalen, dem SSC Hagen Ahrensburg. Vielleicht gehen sie diesem ungeliebten Nachbarn deshalb aus dem Weg. Passt irgendwie alles zum aktuellen Tabellenplatz: Letzter.
Ground
Der SC Condor spielt seit 1984 im Sportpark Oldenfelde. Es ist ein mittelgroßes Gelände mit zwei Plätzen. Der A-Platz wurde 2022 mit Kunstrasen und neuem Flutlicht ausgestattet. Das war auch bitter notwendig, denn es hieß, dass die Drainage des Rasenplatzes so übel war, dass die Spieler bei Schietwetter manchmal bis zu den Knöcheln im Morast steckten. Heute ist die Anlage schnuckelig. Das Prunkstück ist das Sportheim mit Sonnenterasse. Der riesige Gastraum (für 170 Personen) lädt regelrecht dazu ein, hier ordentliche Partys abzuziehen. Im gleichen Gebäude sind die Büros. Alles ist ausgesprochen gepflegt. Und an der Terrasse kommst du nicht vorbei, ohne mindestens ein Pils zu zischen. Wir beließen es jedoch nicht bei einem. Die Auswahl an leckeren Speisen gefiel uns auch gut. Und selbst Marianne Rosenberg trug zur guten Stimmung bei ;-). Kristina weiß eben, was gut ist!
Der Platz ist mit einer Tartanbahn ausgestattet. Schön ist, dass er trotz der Stadtlage von Bäumen umrahmt wird. Schick finde ich auch das schwarz-güldene Emblem mit einem Kondor neben dem Bierstand. Am Platz direkt gibt es einen Kiosk, sodass der Weg zum Bierchen nicht so weit ist. Nach dem Spiel gönnten wir uns hier noch Biere an Holzbänken/-tischen bis das Taxi Uschi kam. Der Ground ist eine klare Hopper-Empfehlung!
Spiel
Die Karten schienen klar verteilt. Der SC noch mit kleinen Aufstiegshoffnungen. Der TSV mit nur 4 Punkten quasi schon abgestiegen. Aber man hat ja schon Pferde ... Jedoch nur bis zur 12. Minute konnte der Underdog das 0:0 halten. Dann nutzte Condor einen Torwartfehler zur verdienten Führung. Danach hielten sie sich die Schleswig-Holsteiner aber wacker und ließen tatsächlich bis zur Pause nicht viel zu. Sogar einen Elfer konnte der Goalie halten. Das Unheil bahnte sich aber schon kurz vor dem Pausenpfiff an, als eine Blutgrätsche zum Platzverweis eines Ahrensburgers führte. In den zweiten 45 Minuten kam es, wie es meistens bei den Gästen kam. Es fielen noch die Gegentore 136 bis 141 zum 7:0. Dadurch konnte Condor auf 8 Punkte Rückstand auf Cordi verkürzen. Die Hoffnung lebt weiter!
Stimmung
Von der Zuschaueranzahl war ich etwas enttäuscht. 63 sind nicht so der Burner. In "meiner" Braunschweiger Landesliga kommen in der Regel 100+. War einigen vielleicht die Anstoßzeit mit 20 Uhr zu spät? Oder kommen in Hamburg weniger Zuschauer in die Landesligen? Gästefans schienen keine gekommen zu sein. Das unterstreicht den geringen Stellenwert des Fußballs im Gastverein. Ein richtiges Highlight hat aber der Gastgeber zu bieten. Vier jugendliche Condor-Ultras sorgten für richtig geile Stimmung. Ausgestattet mit drei Fahnen und Trommel puschten sie ihren SC zum Sieg. Die Mannschaft weiß, was sie an ihnen hat und bedankte sich auch nach dem Spiel für den Support! Macht weiter so, Jungs! Ach so, einer war außerdem noch richtig laut. Und zwar mein Kumpel, Barki. Der heizte den Jungs durch laute Rufe über 90 Minuten ordentlich ein.
Fazit
Zwischendurch bekam unsere eigentlich fröhliche Laune tiefe Risse. Ich spürte plötzlich, wie die gefühlte Temperatur tief in den Keller zu gehen schien. Was war los? Meine 3 Begleiter sprachen über den Bundesliga-Samstag am nächsten Tag. Zwei Werderaner saßen mit einem HSVer am Tisch. Die tiefe Liebe der Vereine zeigte sich auch kurz am Tisch. Dann schwieg man das Thema aber lieber wieder tot. Ich erlebte den HSV-Frust am nächsten Tag live bei Barki. Eine geheime WhatsApp-Freuden-Nachricht der Grün-Weißen gabs natürlich ebenfalls.
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