
SV Gifhorn wie ein Aufsteiger
- Cookie

- 20. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Dez. 2025
Fakten
Stadion | Stadion West - B-Platz |
Ort | Wolfsburg |
Kapazität | 1.000 |
Datum | 19.11.2025 |
Spiel | TSV Ehmen (4.) - SV Gifhorn (11.) |
Ergebnis | 2 : 5 |
Zuschauer | 67 |
Liga | Bezirksliga Braunschweig 1 |
Ebene* | 7 |
Liga (vollständig) | 6 von 16 |
Ground - alt / Anzahl Besuche | nein |
Ground - neu / Anzahl Grounds | ja / 160 |
Spiel in 2025 / Gesamt** | 68 / 312 |
*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen
** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt
Vorspiel
Heute sollte es mal wieder nach Wolfsburg gehen. Zum Nachholspiel TSV Ehmen gegen den SV Gifhorn. Eben das ewig alte Duell Wolfsburg gegen Gifhorn.
Der Ortsteil Ehmen ist bekannt durch sein Kalisalz-Bergwerk. Das war aber nur eine recht kurze Zeit in Betrieb, nämlich von 1899 bis 1925. Es wirkt jedoch noch bis heute und wie! Sage und schreibe 100 Jahre danach sind die Gruben immer noch nicht 100% sicher. Es wird von einem Kaninchenbau gesprochen, der unter Ehmen liegt. Seit vielen Jahren laufen die Experten-Untersuchungen dazu aber noch immer gingen die Sicherungsmaßnahmen nicht los. Kracht da irgendwann was ein? Entweichen vielleicht Gase? Angeblich "soll erstmal keine Gefahr bestehen“. Sehr vertrauenseinflößend, oder? Also, wer ein günstiges Baugrundstück sucht ...
Der TSV Ehmen besticht weniger durch seine Fußballmannschaften als durch die sehr erfolgreichen Turner. Und ein schicke Tennishalle brachte auch dem Bobele-Nachwuchs einen Aufschwung.
Der heutige Gast, der SV Gifhorn, ist der älteste Fußballverein der Stadt. Am 29.9.1912 fusionierten der FC Merkur mit dem FC Germania. Kaufleute und Arschpauker waren die Gründungsväter. Der Verein ist richtig rührig und wächst und wächst. Als Beispiel sei nur genannt, dass gerade eine Bob-Sport-Sparte gegründet wird. Ist das nicht cool? Nun fehlt hier nur noch eine Bob-Bahn. Im Fußball hatten sie dieses Jahr auch schon einen absoluten Höhepunkt. Es kamen 1.350 Zuschauer in die Eyßelheide zum Stadtderby gegen den MTV Gifhorn.
Ground
Der Navi sagte 35 Minuten und ich plante genug Zeit ein, dachte ich. Da der Heimground in Ehmen nicht bespielbar war, wichen die Ehmener aus zur Anlage des ETSV Wolfsburg, dem Stadion West, ein paar Kilometer weiter östlich. Ich sah die Flutlichtanlage schon und fuhr hin. Aber wo ist der Eingang? Eine Hausnummer hatte ich nicht, aber das ist ja eigentlich kein Problem. Wars aber doch heute. Ich fuhr hin und her und umkreiste die beleuchtete Anlage. Schwups war ich auf einer Schnellstraße und bretterte erstmal entnervt ein paar Kilometer vom Stadion weg. Das ging mehrfach so. Dann war ich schon einem engen Wohngebiet und ich fand wieder keinen Eingang. Inzwischen lief das Spiel schon 10 Minuten und ich musste pinkeln. Ich war vollkommen gefrustet und kurz davor nach Hause zu fahren. Dann entdeckte ich etwas, was ein Eingang sein könnte. Ich hielt und rein. Endlich. Dann kam das nächste Unheil (20 Minuten waren schon durch). Die Toiletten waren geschlossen. Ich fand dann das Sportheim ein Stück entfernt. Und dann wieder zurück. Rein und am A-Platz vorbei zum KR-Platz. Auf dem Weg hörte ich noch Torjubel und 30 Minuten nach Spielbeginn war ich bei den Kassiererinnen am Spielfeldrand. Ich teilte ihnen mit, dass die WCs geschlossen seien, aber das wussten sie schon, na dann ist es ja gut. Es muss ja keiner was machen. Die drei Personen dort (Kassiererin, Glühweindame und Bratwurstgriller) konnten einem leid tun.. Drei unüberdachte Minitische im strömenden Regen, halleluja. Der Grillmeister hatte in einer Hand den Schirm und mit der anderen drehte er die Würste um.
Die Anlage ist mit drei Plätzen recht groß aber gibt nichts her. Kahl, kein schönes Umfeld und wenig einladend. Gleich vorne gibt es zwei Stehränge. Das wars. Müsst ihr euch nicht antun.
Ach so, nach Spielende war das Sportheim vom ETSV mit dem WC zur Freude der Zuschauer auch noch geschlossen und die WCs der Spieler auch. Die saßen dann wartend vor dem Eingang, da niemand mit Schlüssel da war. Es pinkelten also alle an die Büsche im Umfeld. Herzlichen Dank an den kundenorientierten Veranstalter des TSV Ehmen!
Spiel
So, das Negative ist durch, kommen wir zum Spiel. Zu den ersten 30 Minuten kann ich leider nichts sagen, aber es stand da 1:1.
Die Ausgangslage war klar. Der TSV war der hohe Favorit. Gerade hatten sie die Nummer 1 der Liga, Hillerse, mit 6:1 abgefegt. Bei einem Sieg wären sie bis auf drei Punkte dran am Aufstiegsplatz. Der Kontrahent graupelt dagegen im unteren Mittelfeld herum.
Die letzte Viertelstunde von Halbzeit eins, meine erste Viertelstunde, war ausgeglichen und zeigte ein ordentliches Niveau. Schnell nach Wiederbeginn fiel das überraschende 1:2. Und dann passierte etwas, was sich viele Trainer und Zuschauer immer wünschen aber es selten passiert. Der führende Außenseiter spielte weiter mutig nach vorne. Folgerichtig fiel das 1:3 (70.) und das 1:4 (79.). Die Gifhorner nahmen die Ehmener richtiggehend auseinander. Es versprang fast kein Ball, die Anspiele kamen an und hinten standen sie bombensicher. Und was doch drauf ging, hielt der hervorragende Keeper. Als dann 8 Minuten vor Schluss das 2:4 fiel, stellte der Favorit auf 3-er-Kette um und warf alles nach vorne. Aber an diesem Tag war einfach gegen diese bockstarken Gifhorner kein Kraut gewachsen. Soetebeer machte mit einem Traumschuss zum 2:5 in den Winkel den Deckel endgültig drauf.
Was für ein Spiel! Was für ein Sieger! Nicht der TSV sondern der SV spielte wie ein Aufsteiger. Ich frage mich nur, warum die nicht ganz oben stehen.
Stimmung
Erstmal gabs einen, der in ganz mieser Stimmung war. Aber auch der Rest, die anderen 66 Zuschauer, waren eher still. Bei diesem fiesen, nasskalten Regenwetter überhaupt ein Wunder, dass so viele kamen. In der zweiten Halbzeit wurden ca. 10 der 67 regelrecht wild. Nach jedem Tor wurde ihr Jubel orgiastischer. Der Gifhorn-Mob feierte dann inzwischen jeden Ball, der ins Aus gegrätscht wurde, wie die Meisterschaft.
Fazit
Ein Wahsinnsspiel entschädigte mich für die miesen Rahmenbedingungen.
Gegen Ende zeigten sich die Wolfsburger aber auch noch als schlechte Verlierer. Sofort nach Spielschluss stapften 4 oder 5 von ihnen runter vom Platz. Kein Abklatschen, geschweige denn, der übliche Kreis nach Abpfiff. Das zeugt von schlechtem Charakter und wenig Teamgeist. Und als ich am Eingang zu den verschlossenen Kabinen an den gleich gegangen vorbeikam, hörte ich einen nur sagen: "Gegen so eine Grottenmannschaft musst du doch gewinnen". Da frage ich mich, wie er die eigene Mannschaft wohl bezeichnen würde.
Fotos













Kommentare