top of page

Wolfsburgs Niedergang

  • Autorenbild: Cookie
    Cookie
  • vor 3 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Fakten

Stadion

GWG-Stadion Flutmulde



Ort

Gifhorn



Kapazität

4.000



Datum

8.3.2026



Spiel (Tabellenplatz vor Spiel)

MTV Gifhorn (1.) - SSV Vorsfelde (2.)



Ergebnis

0 : 3



Zuschauer

700



Liga

Landesliga Braunschweig



Ebene*

6



Liga (vollständig) - Besuchte / Gesamt

8 / 16



Ground - alt / Anzahl Besuche

ja / 2



Ground - neu / Anzahl Grounds

nein



Spiel in 2026 / Gesamt**

6 / 323



*internationaler Indikator des Fußballniveaus vergleichbar mit anderen Ligen

** Anzahl Spiele im laufenden Jahr / Anzahl Spiele insgesamt


Vorspiel 

Endlich wird auch hier wieder in allen Amateurligen wieder gekickt. Und auch die Frühlingssonne lugt schon mal hinter dem Saharastaub hervor. Und dann fragt Kumpel, Uwe, ob ich Bock auf Spitzenfußball in der Flutmulde habe. Logo! Und auch die Damen lassen sich das auch nicht entgehen. Wer könnte Kerlen wie uns auch widerstehen? 

Uwe ist als Leiferder, natürlich Fan des MTV Gifhorn, wir sind Sympathisanten. 

Der MTV ist schon ein besonderer Club. Sage und schreibe schon 1861 wurde er gegründet und ist damit einer der ältesten Vereine Deutschlands. Seine goldene Ära hatte er in den 70er/80er Jahren, sogar mit drittklassigem Fußball. Unabhängig von der Liga gilt er als Aushängeschild der Region Braunschweig. In den letzten zwei Jahren erlebten die Gifhorner ein Wechselbad der Gefühle: Abstieg und sofortiger Wiederaufstieg. Und nun? Schon wieder klarer Spitzenreiter. Der Durchmarsch in die Oberliga scheint fast gebongt. Und dann gibt es auch noch ihre Vereinsikone, Tobias Krull. Er agiert als Torwart, Kapitän, sportlicher Leiter und Schiedsrichter für seinen Herzensverein. Nationale Bekanntheit erlangte er, als beim Spiel VfL Wolfsburg gegen den 1. FC Köln der Linienrichter verletzt ausfiel und Krull einem Aufruf des Stadionsprechers nachkam, er von der VIP-Tribüne an den Seitenrand spurtete und als 4. Offizieller einsprang. Angeblich war er auch noch nüchtern, wer's glaubt... Immerhin gabs vom DFB als Dankeschön Karten fürs DFB-Pokalendspiel. Der Trubel danach war ihm als große Rampensau auch in keiner Weise unangenehm. Für alle, die Gifhorn (noch) nicht kennen: Es lohnt sich ein Besuch. Die Stadt nördlich von Braunschweig ist etwas miefig und altbacken. Allerdings gibt es einiges zum Anschauen. So zum Beispiel Windmühlen jeglicher Art im Mühlenmuseum. Am besten ist hier das hier frisch gebackene, superleckerer Brot. Und meiner Standesbeamtin, Uschi, geht hier auch das Herz auf. Mitten in Gifhorn steht nämlich die schottische Mühle "Lady Devorgilla", in der Trauungen stattfinden. Sie wird "Weiße Hochzeitsmühle" genannt und hat was vom Vatikan. Es steigt zwar hier kein "Weißer Rauch" auf aber dafür drehen sich die Windmühlenflügel, wenn das "Ja-Wort" gegeben wurde und auch nur dann.

Der SSV Vorsfelde ist ein ähnliches Kaliber wie der MTV. Allerdings ging es beim ihm gerade runter statt hoch in die Landesliga. Als Tabellenzweiter machen sie sich noch Hoffnungen auf den Wiederaufstieg. Dazu ist aber auf jeden Fall ein Sieg heute Pflicht. Der wunderschöne Ort Vorsfelde hat übrigens eine etwas düstere Historie. Das älteste und beeindruckendste Haus ist das Scharfrichterhaus. Dort wohnte der arme Mann bis Anfang des 19. Jahrhunderts nicht nur. Es diente auch als Knast und hatte eine Folterkammer. Die Scharfrichter, die armen Säcke, arbeiteten nebenbei noch als Abdecker, da sie von ihrem geringen Lohn als Killer nicht überleben konnten. Sie gehörten der niedersten Kaste an und durften nur Frauen aus selbiger ehelichen. Jedoch war es ihnen gestattet, es außerhalb der Ehe auch mit Weibern höherer Kasten zu treiben. Immerhin! Vorsfelde war bis 1972 eine eigene Stadt im Kreis Helmstedt. Aber auch Wolfsburg wollte endlich mal etwas Schönes haben und verleibte sich Vorsfelde ein. Arme, arme Vorsfelder!


Ground

Die Flutmulde ist ein Schmuckstück. Sie besteht nicht nur aus dem Ground, sondern beherbergt auch noch eine 100-Meter-Bahn, eine Weitsprunganlage, eine Bouleanlage und vieles mehr. Ein großer Parkplatz steht zur Verfügung. Und ein kleines Highlight ist die Gaststätte Flutmulde. Hier kannst du richtig lecker in gutem Sportgaststättenambiente mampfen und eine kleine Terrasse gibt es zudem noch. Du kannst sogar Mittagessen und das Team zeigt sich mit Burgertagen etc. sehr einfallsreich. Wir hatten leider noch Rest zu vertilgen und mussten dieses Mal schweren Herzens vorbei gegen. Die Getränkebude lässt nichts zu wünschen übrig. Und auch einen Kaffeestand sowie der Bratwurstgrill laden zum Verweilen an leuchtendgelben Tischen ein. Beim Kaffeeausschank reichte die nette Dame sogar selbstgebackene Plätzchen dazu. Sehr lecker und eine liebenswerte Geste. Am Platz gibt es eine überdachte 5-reihige-Haupttribüne mit wellenförmigem Dach. In der Mitte befindet sich eine Sprecherkabine. Hinter einem Tor steht seit Sommer 2024 eine weitere (unüberdachte) Tribüne. Die hat im Gegensatz zur Haupttribüne (blau) wenigstens auch gelbe Sitzschalen. Die Gifhorner haben das Teil übrigens zum Schrottpreis vom Sportzentrum Wesendorf bei EBay ersteigert und mussten es nur (de)montieren und transportieren. Die Funktionäre wissen hier, wie es geht! Das Stadion fasst nun 4.000 Zuschauer und es fehlt nicht viel zur Drittligatauglichkeit. Außergewöhnlich ist auch ein Werbeturm, der voll belegt mit Sponsorentafeln ist. 


Spiel

Wer war der Favorit? Wohl der Spitzenreiter MTV. Aber die letzte kleine Chance für Vorsfelde dürfte die Wolfsburger heißlaufen lassen. Ich war sehr gespannt, besonders auf die in 2025 so überragenden Aufsteiger. 

Und das Spiel ging ohne Abtastphase gleich zur Sache. In den ersten 6 Minuten hatte der Gast gleich drei Durchbrüche aber ohne Erfolg. Waren sie etwa selbst überrascht davon? Und weiter ging es nur in eine Richtung. Der SSV brannte ein Feuerwerk ab und wurde zunehmend gefährlicher. Dann machte es dreimal Knack (28., 36. und 40. Minuten). Blitzsaubere Spielzüge wurden stark zum 0:3 vollendet. Der MTV war quasi nicht auf dem Platz. Unfassbar! Bekommen sie den Turnaround nach der Pausenansprache noch hin? Tatsächlich schienen sie nun endlich erwacht und waren mal im gegnerischen Strafraum anzutreffen. Freilich ohne große Gefahr auszustrahlen. Das schwarz-gelbe Feuer entpuppte sich jedoch schnell als Strohfeuer. Grün-schwarz bekam das Spiel wieder in den Griff und brachte es leicht und locker über die Bühne. Ein 5 oder 6 zu 0 wäre ein gerechtes Ergebnis gewesen. Aber es blieb beim für den Gastgeber sehr glücklichen 0 zu 3.

Ich erfreute mich noch am Sohn meines einstigen Eintracht-Lieblingsspielers. Julio Rodrigues, Sohn von Kosta, rief sentimentale Stimmung hervor. Ein Selfie mit Sohnemann holte ich mir auch noch. Schade, dass Papa der nicht da war.

An der Rampensau, Krull, konnte ich mich hingegen nicht erfreuen. Er ist inzwischen nur noch Ersatzkeeper. 


Stimmung

Spitzenspiel, Sonnenschein und nette Begleitung. Hopperherz, was willst du mehr? Uwe und ich schätzten die Zuschauerzahl auf 420-440. Was ja klasse wäre. Überrascht las ich dann sogar von über 700. Hhm, na dann, dann glaube ich's mal. Gästefans konnte ich weder akustisch noch optisch ausmachen. Was für ein Trauerspiel. Ein kleiner Mob schwenkte schwarz-gelbe Fahnen, trommelte etwas und gab zarte Anfeuerungen von sich. Der Rest war aufmerksam, frustriert und ruhig. Was geht, zeigte dann die Anfangsphase der zweiten Halbzeit. Da brodelte es auf einmal auf der Tribüne. Aber lange wars ja leider nicht. Einmal brandete noch Begeisterung auf. Als Krulli etwas ausrastete und dafür Gelb bekam, wurde er frenetisch abgefeiert. Der Kultstatus bleibt eben. 


Fazit

Kommen wir zum Niedergang Wolfsburgs. Ich will das Drama für die Auswärtigen kurz erläutern:

·       VW verpennt die E-Zukunft und ist im Sinkflug.

·       Der VfL erlebt gerade seine düsterste Phase seitdem Aufstieg und liegt auf einem Abstiegsplatz

·       Der zweitbeste Klub, Lupo Martine Wolfsburg, ist quasi schon aus der Oberliga abgestiegen

·       Der VfB Fallersleben ist akut abstiegsgefährdet in der Landesliga

·       Selbst aus der Bezirksliga wird wohl kein Wolfsburger Verein in die Landesliga aufsteigen

Was bleibt ist der SSV Vorsfelde. Da können die Einheimischen wenigsten sauberen Fußball sehen. Aber es scheint ja keinen zu interessieren. Und auch sie werden wohl den Aufstieg verpassen.

Wolfsburg im Niedergang eben!



Fotos


Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page